Aufräumarbeiten am Panamakanal

7. Jänner 2014, 18:19
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Der Baustopp an der wichtigen Erweiterung der Schifffahrtsroute hat viele Verlierer. Baugigant Sacyr und die Betreibergesellschaft ACP suchen nach einer raschen Lösung

Die spontane Reise von Spaniens Infrastrukturministerin Ana Pastor nach Panama zur Mediation scheint Früchte zu tragen. Nach dem Baustopp an der Erweiterung des Kanals einigten sich die Betreibergesellschaft ACP (Autoridad del Canal de Panamá) und der spanische Baugigant Sacyr darauf, den Konflikt lösen zu wollen. Am Dienstagabend war ein erstes Treffen anberaumt.

"Das Konsortium hat ein Liquiditätsproblem", sagte Pastor und unterstrich zugleich, Spanien werde auf keinen Fall Gelder beisteuern. Einen großen Schritt in die richtige Richtung habe man dennoch setzen können. Der Stillstand schade allen Beteiligten, ist man sich einig. An der Madrider Börse markierten Sacyr-Titel zuletzt wieder deutlich im Plus.

Aufgrund einer Kostenexplosion forderte das Konsortium (Grupo Unidos por el Canal) um Sacyr zuletzt 1,16 Milliarden Euro Mehrkosten per Ultimatum ein, der Standard berichtete. Auflagen wären nachträglich aufgrund der Fehlplanung der ACP geändert worden, so ein Vorwurf. Neben dem zu verwendenden Beton und den Massen sei man auch laut Sacyr "wegen geologischer Schwierigkeiten" mit dem Budget an die Grenzen gestoßen.

2009 war ihr siegreiches Gebot mit etwa 2,2 Milliarden Euro um eine Milliarde Euro unter dem des Konkurrenten Bechtel gelegen. "Damit könne man doch nicht einmal den Beton bezahlen", unkte damals der Unterlegene. Rund 300 spanische Firmen bangen wegen der Kanalkrise um ihr Überleben, wie die Wirtschaftszeitung Cinco Días berichtet. Es geht in Summe um Aufträge in Höhe von vier Milliarden Euro - mit denen neben großen Unternehmen wie etwa der Alpine-Mutter FCC, die für Aushebungsarbeiten um fast 200 Millionen Euro am Kanal verantwortlich ist, auch kleinere Baufirmen und zahlreiche mittelständische Betriebe rechnen.

Milliarden an Mehrkosten

Schon heuer hätte der Ausbau der essenziellen Schifffahrtsroute zu ihrem 100. Jubiläum beendet sein sollen. Aber immerhin seien die Bauarbeiten bereits zu 72 Prozent fertig, sagte der panamaische Präsident Ricardo Martinelli versöhnlich. Die ACP drohte hingegen zuletzt, man "werde aggressiver vorgehen". Maximal 386 Millionen Euro der 1,16 Milliarden Euro an Mehrkosten könnte Sacyr von Panama im Rahmen des Vertrages erhalten. Sacyr prüft parallel zu den Gesprächen ein Schiedsgerichtsverfahren.

Für Unmut sorgte zuletzt auch ein spanischer Rechnungshofsbericht. Demnach hat die Exregierung unter José Luis Rodríguez Zapatero das Sacyr-Gebot mit 160 Mio. Euro an Fördergeld gestützt, was über die Außenhandelkreditschutzagentur Cesce (Compañía Española de Seguros de Crédito a la Exportación) geschah. Das Parlament müsse die Vergabe 2009 prüfen, bekräftigte Pastor. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 8.1.2014)

  • Spaniens Infrastrukturministerin Ana Pastor sieht ein Liquiditätsproblem des Baukonsortiums. Panamas Präsident Ricardo Martinelli schlägt versöhnliche Töne an.
    foto: ap/martinelli

    Spaniens Infrastrukturministerin Ana Pastor sieht ein Liquiditätsproblem des Baukonsortiums. Panamas Präsident Ricardo Martinelli schlägt versöhnliche Töne an.

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