Wallner: Bund blockiert Schulreform

7. Jänner 2014, 17:48
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Die Modellregion zur gemeinsamen Schule wird es so schnell nicht geben, sagt der Landeshauptmann von Vorarlberg. Blockiert würde der Schulversuch durch die erforderliche Zweidrittelmehrheit

Bregenz - "Sehr ärgerlich" findet es Markus Wallner (ÖVP), "dass der Bund blockiert, wenn sich Bundesländer eine innovative Weiterentwicklung der Schule überlegen". Die Blockade sieht er nicht nur in der eigenen Partei: "Die kommt von allen Seiten, die größte Hürde ist aber die für einen Schulversuch erforderliche Zweidrittelmehrheit im Nationalrat."

Wie seine Amtskollegen Wilfried Haslauer (Salzburg) und Günther Platter (Tirol) möchte Wallner die gemeinsame Schule. In Vorarlberg werde aber nicht nur über die Schulreform geredet, verweist Wallner auf ein seit März 2013 laufendes Forschungsprojekt zur gemeinsamen Schule.

19.000 Fragebogen wurden von Schülern, Lehrenden und Eltern zu diesem Thema beantwortet. Im Frühling 2015 will man den Endbericht vorlegen und damit auch "die rechtlichen, pädagogischen und finanziellen Voraussetzungen für die gemeinsame Schule" (Wallner). "Ziel des Forschungsprojekts ist natürlich, einen Schulversuch auf die Beine zu stellen." Eine Zweidrittelmehrheit für den Schulversuch werde es aber die nächsten Jahre nicht geben, befürchtet Wallner.

Ungleiche Bildungschancen

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hatte in einem STANDARD-Interview nicht nur die gemeinsame Schule befürwortet und damit Unmut beim Koalitionspartner verursacht, sondern auch die Änderung des Schulorganisationsgesetzes in Aussicht gestellt. Ein Vorstoß dazu wird aus Vorarlberg kommen. Seit Dezember liegt ein entsprechender Antrag von SPÖ, Grünen und FPÖ vor. Wallner, der im Herbst seine erste Landtagswahl als Landeshauptmann schlagen wird, gerät nun in Zugzwang. Er könne sich durchaus eine gemeinsame Position der Landtagsfraktionen vorstellen, sagte er am Dienstag.

Eine klare Absage zur gemeinsamen Schule kommt aus Oberösterreich. Bildungslandesrätin Doris Hummer (ÖVP) hatte den Vorschlag ihres Parteikollegen Karlheinz Kopf, Modellregionen zu schaffen, abgelehnt. Damit handelte sie sich Kritik aus der Arbeiterkammer ein. Das bestehende Bildungssystem zementiere ungleiche Bildungschancen, sagt AK-Präsident Johann Kalliauer (SPÖ). Obwohl in Oberösterreich jedes zweite Kind gymnasialreif sei, würden nur 27,2 Prozent in einer AHS aufgenommen, in Wien jedoch mehr als 50 Prozent. (Jutta Berger, DER STANDARD, 8.1.2014)

  • Sieht innovative Entwicklungen durch die Bundespolitik blockiert: Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner kündigt einen Vorstoß für ein Schulorganisationsgesetz an
    foto: apa/stiplovsek

    Sieht innovative Entwicklungen durch die Bundespolitik blockiert: Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner kündigt einen Vorstoß für ein Schulorganisationsgesetz an

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