Untersuchung: Allende soll sich selbst getötet haben

7. Jänner 2014, 23:03
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Während Pinochet-Putsch - Anklage gegen neun chilenische Ex-Militärs wegen Entführung von französischem Aktivisten 1973 nach Pinochet-Putsch

Santiago de Chile  - Der Oberste Gerichtshof in Chile hat die Untersuchung zum Tod des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende 1973 offiziell abgeschlossen. Wie am Dienstag bekannt wurde, wies das Gericht am Vortag zwei Anträge zur Wiederaufnahme der Ermittlungen ab. Dabei ging es erneut darum, ob Allende am 11. September 1973 von putschenden Soldaten erschossen wurde oder sich das Leben nahm.

Wegen der Art der Verletzungen Allendes seien die Mutmaßungen über eine Tötung durch Soldaten aber zurückgewiesen worden, hieß es in dem Gerichtsdokument. Im September 2012 hatte ein Berufungsgericht den Bericht des Richters Mario Carroza bestätigt, wonach sich Allende am Tag des Militärputsches von General Augusto Pinochet selbst tötete. Allende zog sich demnach in den Unabhängigkeitssaal des Gebäudes zurück, als der Präsidentenpalast angegriffen wurde, und erschoss sich.

Allendes sterbliche Überreste waren Mitte 2011 exhumiert worden, um zuvor aufgekommenen Zweifeln an den Todesumständen zu begegnen. Im Juli desselben Jahres kamen die Gerichtsmediziner und Experten zu dem Schluss, dass die These des Freitods stimmt, die auch von Allendes Familie vertreten wird. Nach dem Tod Allendes, der von 1970 bis 1973 Präsident war, errichtete Pinochet eine Militärdiktatur, die erst 1990 endete. In dieser Zeit wurden mehr als 3.200 Menschen getötet bzw. gelten seitdem als vermisst.

Haftbefehle

 Im Zuge von Ermittlungen zur Entführung eines ehemaligen französischen Priesters während der Militärdiktatur in Chile hat die chilenische Justiz am Dienstag Haftbefehl gegen neun frühere Militärs erlassen. Die Vorwürfe betreffen neun pensionierte Offiziere und Unteroffiziere der Luftwaffe.

Sie sollen in die Entführung des ehemaligen Priesters und sozialistischen Aktivisten Etienne Pesle de Menil verwickelt gewesen sein. Sie wurden bereits 2010 wegen der Tat in Frankreich in Abwesenheit zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Nach Militärputsch verschleppt

Pesle de Menil war am 19. September, wenige Tage nach dem Militärputsch von General Augusto Pinochet, in der Stadt Temuco festgenommen worden. Das Mitglied der Sozialistischen Partei arbeitete für das Institut für landwirtschaftliche Entwicklung (INDAP) und setzte sich für eine Landreform ein.

Laut dem Haftbefehl des Richters Mario Carroza wurde er von Mitgliedern einer Einsatzgruppe eines örtlichen Luftwaffenstützpunkts festgenommen. Wie viele andere politische Gegner verschwand er in einem Gefängnis auf dem Stützpunkt.

Ein französisches Gericht verurteilte im Dezember 2010 zehn chilenische Militärs wegen der Entführung von Pesle de Menil und drei anderen französischen Staatsbürgern zu Haftstrafen von 15 Jahren bis lebenslang. Doch lehnte die chilenische Justiz eine Auslieferung ab, weil sie ihnen selbst den Prozess machen wollte. Acht der neun Verdächtigen sind bereits in Haft; der neunte Verdächtige liegt im Krankenhaus. (APA, 7.1.2014)

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