Das beste Stück: ...nachgefragt bei Sabine Gruber

Kolumne12. Jänner 2014, 19:06
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Michael Hausenblas fragte die Schriftstellerin Sabine Gruber, wie sie zu ihren roten Notizbüchern kam

"Alles fing in Venedig an, in einer Cartoleria auf dem Campo Manin, in der sich heute eine Bank befindet. Es war einer dieser Läden, an denen man als Schriftstellerin nie vorbeikommt, weil sie bis obenhin mit Kladden, Stiften, Blöcken und Karten gefüllt sind - fast muss man sagen 'waren'.

Inzwischen gibt es kaum noch solche Geschäfte. In Venedig also, vor mehr als 20 Jahren, hatte ich beim Herumkramen plötzlich ein rotes Heft in der Hand, 290 unaufdringlich linierte Seiten zum Preis von 5500 Lire. Es war Liebe auf den ersten Blick, ich kaufte mehrere Exemplare, alle rot, sie lagen erst nur rum.

Dann, nach meiner Wiedergeburt, nach meiner Nierentransplantation, begann ich darin zu schreiben, täglich. Undenkbar, damit aufzuhören. Die italienischen Pigna-Hefte gibt es nicht mehr, aber ich habe ähnliche gefunden, sie sind ebenfalls gebunden und rot, und wieder habe ich große Vorräte angelegt, für ein langes Leben ..." (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 10.1.2014)

 

  • Liebe auf den ersten Blick: Sabine Gruber mit ihren roten Notizbüchern.
    foto: nathan murrell

    Liebe auf den ersten Blick: Sabine Gruber mit ihren roten Notizbüchern.

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