Gast im Schloss: "Im Nachtkastl riechen"

Interview7. Jänner 2014, 17:08
78 Postings

Mit Schauspielerin Jessica Schwarz besucht Eduard Habsburg-Lothringen Adelsfamilien, Donnerstag, 20.15 Uhr auf Servus TV. Doris Priesching fragte dem Sendungstitel entsprechend nach, "wo Grafen schlafen".

STANDARD: Wo – oder genauer – worauf schlafen Sie?

Habsburg-Lothringen: Ich schlafe in einem ganz normalen Bett in einem modernen Architektenhaus in Niederösterreich. Doppelbett, helles Holz, zwei Matratzen, sehr schwer, sehr dick, eher fest.

STANDARD: Seiten-, Rücken- oder Bauchschläfer?

Habsburg-Lothringen: Bauchschläfer. Warum fragen Sie mich das?

STANDARD: Mich interessiert, wo Grafen schlafen.

Habsburg-Lothringen: Ich bin kein Graf, aber wenn Sie den Adel meinen: Wir schlafen alle mehrheitlich nachts. Meine Schlafgewohnheiten sind überdies nicht vom Adel geprägt, sondern von meinen sechs Kindern, das heißt, ich schlafe, wenn ich kann.

STANDARD: Was ist Ihnen in den Schlössern in puncto Schlafen aufgefallen?

Habsburg-Lothringen: Wenn Sie in einem Schloss ins Schlafzimmer gehen, müssen Sie das Nachtkastl aufmachen, und dann müssen Sie riechen. Es hat immer einen leicht süßlichen Geruch. Das kommt vom Nachttopf. Der steht oft heute noch drin, weil sich Sachen nicht ändern im Schloss. Ich habe selbst erlebt, dass in der Früh der Krug mit heißem Wasser gebracht wurde, weil das Badezimmer zu weit weg und der Weg im Winter zu kalt ist. Wenn man im Schloss lebt, ist man gewohnt, sich warm anzuziehen. Man schläft nicht nachts in Unterwäsche. Das Leben dort ist nur dann schön, wenn man ein Riesenvermögen hat.

STANDARD: Kennen Sie "Downton Abbey"?

Habsburg-Lothringen: Meine Frau und meine zwei ältesten Töchter sind völlig hysterisch. Ich habe den größten Teil der ersten Staffel mit Genuss gesehen.

STANDARD: Die Qualität der Serie besteht unter anderem darin, dass die Dienerschaft vorkommt. Wie steht es damit heute?

Habsburg-Lothringen: Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein riesiges Hotel mit voll möblierten und bezogenen Zimmern – aber ohne Personal. Das ist das Schloss von heute. Wenn Sie viel Personal haben, ist alles herrlich. Die meisten wurschteln sich durch.

STANDARD: Welche Figur aus "Downton Abbey" wären Sie gern?

Habsburg-Lothringen: Ich glaube, ich wäre gern der Hausherr. Er ist nett und anständig, und ich bin – wie er – gern der Chef. Ich habe nichts von einem Revoluzzer in mir.

STANDARD: Lord Grantham wird aber auch ziemlich gepiesackt von den fortschrittlichen Frauen ...

Habsburg-Lothringen: Sie sind alle toll, aber letztlich ist es eine Serie fürs weibliche Publikum. Ich bin doch irgendwann ausgestiegen. Es gab nicht genügend Explosionen.

STANDARD: Mussten Sie als Mediensprecher von Bischof Klaus Küng Ihren Ausflug in die weltliche Unterhaltung absegnen lassen?

Habsburg-Lothringen: Ich sagte ihm, dass mein Buch verfilmt wird, dass so eine Chance nicht wiederkommt, und ich ließ mich für ein Dreivierteljahr auf 20 Stunden herunterschrauben. Als Medienreferent kann ich von der Serie nur profitieren. Ich lerne, wie ich mich vor der Kamera präsentiere, knüpfe Kontakte, und das nützt der Diözese. Ich drehe ja keine Mörderserie und nichts Pornografisches. Schloss und Kirche sind sich in vielen Dingen ähnlich. Es ist in beiden Fällen etwas aus der Vergangenheit, das in unsere Zeit ragt. In beiden Fällen braucht es Vermittlung.

STANDARD: Und zu beiden hat die österreichische Gesellschaft ein ambivalentes Verhältnis. Wie erklären Sie die Pole?

Habsburg-Lothringen: Die Faszination für den Adel liegt sicher darin begründet, dass viele damit Reichtum und die schöne, heile Welt assoziieren und das Gefühl haben, dass hier aus der Vergangenheit Werte mitgeschleppt werden, die heute pulverisiert sind.

STANDARD: Sollte das Adelsverbot abgeschafft werden?

Habsburg-Lothringen: Nein, aber es ist ein wenig unfair, mich das zu fragen: Wenn man Habsburg heißt, braucht man keinen Titel. (Doris Priesching, DER STANDARD, 8.1.2013)

Eduard Habsburg-Lothringen schrieb das Buch "Wo Grafen schlafen". Donnerstags führt er in acht Folgen mit Jessica Schwarz durch Schlösser in Österreich und Deutschland.

  • Jessica Schwarz und Eduard Habsburg-Lothringen in "Wo Grafen schlafen", Servus TV. 
    foto: servus tv

    Jessica Schwarz und Eduard Habsburg-Lothringen in "Wo Grafen schlafen", Servus TV. 

Share if you care.