Wie man Kindern die Welt erklärt

8. Jänner 2014, 17:40
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Tabus gibt es nur bei der Bildauswahl: Seit 25 Jahren macht "logo!" täglich Fernsehnachrichten für Kinder. Und das Weltgeschehen für diese "besser verkraftbar", sagt Medienexpertin Maya Götz

Ein Asbestfall an einer Schule und ein "Erklärstück", worum es sich bei Asbest überhaupt handelt: Mit diesem Thema starteten die deutschen Kindernachrichten "logo!" in der ersten Sendung am 9.1.1989. Exakt 25 Jahre ist das mittlerweile her. Am Grundkonzept hat sich bis heute nichts geändert. Markus Mörchen, seit 2005 verantwortlicher Redakteur der Sendung, fasst es so zusammen: "Nachrichtenthemen, die Kinder sowieso mitbekommen, so zu erklären, dass die Kinder sie auch verstehen." Klingt einfach, ist es aber nicht.

Auswahl aus Perspektive der Kinder

Maya Götz vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen beim Bayrischen Rundfunk in München kennt die wichtigsten Regeln, die es zu beachten gilt, wenn man bei der jungen Zielgruppe ankommen will: "Die Auswahl der Nachrichten muss immer aus der Perspektive der Kinder erfolgen." Dann komme die zweite Herausforderung, die ausgewählten Themen auch "entsprechend aufzubereiten". Das beinhalte vor allem eine distanzierte Herangehensweise, bei der Wertungen herausgenommen werden, sagt Götz. Am Ende eines Beitrages sollten alle Perspektiven noch einmal zusammengefasst werden, damit sich das Kind vor dem Fernseher ein eigenes Bild machen kann.

Tod eines Meerschweins

Dabei gehe immer Bild vor Ton. Und weil es in den Hauptnachrichten immer wieder eine sogenannte Text-Bild-Schere gibt, wo Gesagtes und Gezeigtes nicht zusammenpassem, hätten an einer Studie teilnehmende Kinder auf die Frage "Was macht ein Politiker?" mit "Hände schütteln" geantwortet. Bei gut gemachten Kindernachrichten könnten sich die jungen Seherinnen hingegen "emotional sicherer fühlen" und "verstehen, was los ist". Damit wird das Gesehene "besser verkraftbar". Götz: "Dann sind 20.000 Tote in Japan weniger dramatisch, als wenn das eigene Meerschwein stirbt."

Alles Themen, ausgewählte Bilder

Bei "logo!" arbeiten je nach Tag zwischen zehn und 15 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an der Sendung. Zielgruppe sind die acht- bis 13-jährigen Kinder. Mörchen spricht hier von einem Spagat, "den wir schaffen müssen: In diesem Lebensalter spielt sich ja wahnsinnig viel ab. Die älteren Kinder dürfen nicht unter- und die jüngeren nicht überfordert werden". Inhaltliche Einschränkungen gibt es keine, sagt der Redakteur: "Es gibt kein Thema, das wir nicht schon behandelt haben." Tabus gebe es nur bei der Bildauswahl: "Da sind wir sehr restriktiv. Bilder, wie sie Erwachsene etwa aus dem Kriegsgebiet in Syrien zu sehen bekommen, würden wir nie zeigen. Das geht nicht. Da helfen dann die Erklärstücke mit den Grafiken."

Älter werden mit "logo!"...

Natürlich hat auch der Zeitgeist bei der Nachrichtensendung Spuren hinterlassen. "Früher wurden schlechte Nachrichten eher mit guten ummantelt, das machen wir heute nicht mehr. Die Sendungen sind sicher nachrichtenorientierter geworden. Vor 25 Jahren mussten sich Kinder noch an ein solches Format gewöhnen. Das ist nun völlig anders. Die Medienrezeption ist viel schneller geworden. Die Sorge, Kinder mit Nachrichten zu überfordern, ist längst nicht mehr so groß", sagt Mörchen.

...und der "Mini-ZiB"

Früher hatte "logo!" auch ein Maskottchen: Gunnar, das Zebra. Und was den Deutschen ihr Gunnar, war den österreichischen Kindern ihr Quaxi. Quaxi der Frosch, seines Zeichens Wettermoderator bei der "Mini-ZiB", der heimischen Nachrichtenversion für Unter-15-Jährige. Wobei Quaxi eine vielfältige Persönlichkeit war. Denn es war nicht einer, sondern gleich mehrere Frösche, die als Leihgabe der Veterinärmedizinischen Universität die Leiter rauf- und runterhüpfen durften. Die Dreharbeiten konnte der jeweilige Frosch "in seinem Wohnumfeld" absolvieren, erzählt einer der "Mini-ZiB"-Moderatoren der ersten Stunde, Hans-Georg Heinke, über den eigentlichen "Star" der Sendung.

Tierische Stars

Für Wissenschafterin Götz ist das "Wettertier" am Schluss jeder "logo!"-Ausgabe auch "eines der großen Erfolgsgeheimnisse" der Sendung, denn "während die Erwachsenen schlechte Nachrichten durchaus auch genießen, wollen Kinder positiv in die Zukunft blicken". Das umfasst für Götz auch das Aufzeigen, wie Lösungen zu gezeigten Problemen oder Konflikten aussehen könnten.

Natürlich müsse es "auf jeden Fall einen gute Themenmischung geben", sagt Mörchen. Und die Kinder werden auch "immer positiv verabschiedet. Deshalb gibt es immer zum Schluss den Tierwitz", erklärt der "logo!"-Redakteur. Kinder-News haben auch einen Vorteil: "Anders als bei den Erwachsenennachrichten sind wir nicht so an die Tagesaktualität gebunden. Gibt es mehrere wichtige Themen, verschieben wir eines auch einmal auf den nächsten Tag." Somit gibt es auch Platz für Nachhaltiges.

Werden diese Regeln beim Nachrichtenmachen verfolgt, kann laut Götz im Prinzip jedes Thema zum Gegenstand der Berichterstattung werden. Ähnlich sahen das laut Hans-Peter Heinke die Macher der "Mini-ZiB" nach dem Motto "kein Thema auslassen, es aber in einer für Kinder erfahrbaren und erfassbaren Form vermitteln".

"Klare, direkte Sprache"

Für die "Mini-ZiB", die von 1985-1997 im ORF ausgestrahlt wurde, musste man Heinke, einen der bekanntesten Moderatoren der 19:30-Uhr-Nachrichten nicht eigens motivieren: "Ich fand das eine super Idee und war einer derjenigen, die das gerne gemacht haben", sagt der mittlerweile ORF-Pensionist zu derStandard.at. Immerhin habe er auch viel dabei gelernt, "eine ganz klare, direkte Sprache" etwa. Und das habe er auch für die Hauptabendnachrichten gut gebrauchen können.

Das Aus für die "Mini-ZiB" kam von Generalintendant Gerhard Zeiler. Heinke erinnert sich: Die Führung habe damals befunden, dass der Sendeplatz um 17 Uhr "fast schon Pre-Prime-Time ist und viel zu schade für die Kinder". Daraufhin wurde die "Mini-ZiB" zu früherer Stunde ausgestrahlt "und damit kaputtgemacht". Hans-Georg Heinke wird noch heute "von Leuten angesprochen, die mir sagen, sie sind mit mir aufgewachsen".

Tschüss mit Tierwitz

Dass die Nachrichten nur auf dem Kinderkanal laufen, stört Mörchen nicht: "Die Logo-Nachrichten sind viele Jahre auch auf ZDF gesendet worden, aber letztlich erreichen wir unsere Zielgruppe via Kinderkanal perfekt. Auf Kika finden wir unsere Zuschauer einfach viel besser als im ZDF", sagt er. Der Kinderkanal von ARD und ZDF hatte vergangenes Jahr einen Marktanteil von 20,8 Prozent bei den drei bis 13-Jährigen - das beste Jahresergebnis seit Beginn des Fernsehkanals im Jahr 1997. 

Aber auch viele Erwachsene sehen zu, weiß Wissenschafterin Götz. Zum Beispiel sie selbst und das täglich. (mayr, riss, derStandard.at, 08.01.2014)

"logo!" läuft von Samstag bis Donnerstag um 19:50 Uhr und am Sonntag um 19:25 Uhr bei KiKa

Am 9. Jänner ist anlässlich des 25-jährigen Bestehens ein "logo!"-Tag auf ZDF mit Beiträgen in diversen Sendungen wie dem Morgenmagazin oder der "heute"-Nachrichtensendung

  • Nur zur Erklärung: "logo!" ist 25 Jahre alt. Auch das Icon feiert.
    foto: zdf/luxlotusliner

    Nur zur Erklärung: "logo!" ist 25 Jahre alt. Auch das Icon feiert.

  • Das Moderatorenteam der ersten Stunde (v.l.): Dirk Chatelain, Barbara Biermann, Peter Hahne.
    foto: zdf/renate schäfer

    Das Moderatorenteam der ersten Stunde (v.l.): Dirk Chatelain, Barbara Biermann, Peter Hahne.

  • Einst "Star" der österreichischen Kindernachrichten: Quaxi, der Frosch.
    foto: youtube-screenshot

    Einst "Star" der österreichischen Kindernachrichten: Quaxi, der Frosch.

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