Leibesvisitationen bei "Media Markt"-Mitarbeitern in Krems

7. Jänner 2014, 14:52
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Gewerkschaft: Angestellte hätte sich wie "potenzielle Verbrecher breitbeinig aufstellen" müssen

Angestellte in Media-Markt-Filialen müssen offenbar nicht nur Taschenkontrollen beim Verlassen des Arbeitsplatzes über sich ergehen lassen. Laut Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) wurden in einer Filiale in Krems auch Leibesvisitationen durchgeführt.

"Wie potenzielle Verbrecher"

Alle Beschäftigten der niederösterreichischen Filiale hätten sich im Stiegenhaus "wie potenzielle Verbrecher breitbeinig aufstellen und die Hände im Nacken verschränken" müssen. Dann seien sie von einem Detektiv und seiner Mitarbeiterin überprüft worden. "Eine völlig inakzeptable Vorgangsweise, zu der die Geschäftsführung auf keinen Fall berechtigt ist", so Peter Stattmann, GPA-djp-Regionalgeschäftsführer in Niederösterreich, in einer Aussendung.

Mitarbeiter werden kontaktiert

Die GPA-djp werde nun alle Beschäftigen in Media Märkten kontaktieren, um sie über ihre Rechte aufzuklären. Die Angestellten sollen auch "allfällige Wahrnehmungen oder Erlebnisse im Rahmen von Taschenkontrollen in den letzten Wochen" mitteilen. Taschenkontrollen seien Kontrollmaßnahmen, die laut § 96 im Arbeitsverfassungsgesetz die Menschenwürde berühren.

Wenn es einen Betriebsrat gebe, seien Kontrollen nur mit Betriebsvereinbarung zulässig. Ansonsten müssten sie mit den Arbeitnehmern direkt vereinbart werden. Eine Leibesvisitation dürfe hingegen auch nicht mit Vereinbarung durchgeführt werden. Allerdings komme es auch auf die Betroffenen selbst an, derartige Übergriffe zu verweigern.

Weitere Schritt möglich

"Nach dem Einholen des Feedbacks der Beschäftigten und weiterer Überprüfung der Fakten werden wir weitere Schritte überlegen", so Karl Proyer, stv. Bundesgeschäftsführer der GPA-djp. (br, derStandard.at, 7.1.2014)

Update 17:01:

Media Markt übermittelte dem WebStandard folgende Stellungnahme:

"Taschenüberprüfungen werden in begründeten Einzelfällen vorgenommen. Dabei wird immer die Zustimmung der betreffenden MitarbeiterIn eingeholt. Leibesvisitationen dürfen grundsätzlich nicht vorgenommen werden.

Die vorliegenden Vorwürfe werden wir selbstverständlich im Detail verfolgen und überprüfen. In diesem Zusammenhang werden wir vor allem auch mit dem von Media Markt Krems beauftragten Sicherheitsdienst klärende Gespräche führen, die gegebenenfalls Konsequenzen nach sich ziehen werden.

Das Wohl unserer MitarbeiterInnen ist uns wichtig, ebenso legen wir  höchsten Wert auf ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis. Dies ist wesentlicher Bestandteil der Media Markt Unternehmenskultur."

  • Media Markt kontrolliert offenbar nicht nur die Taschen seiner Mitarbeiter.
    foto: apa/dpa

    Media Markt kontrolliert offenbar nicht nur die Taschen seiner Mitarbeiter.

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