Methanaustritte vor Spitzbergen nicht durch Klimawandel bedingt

12. Jänner 2014, 18:17
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Wissenschafter fanden Hinweise dafür, dass Ausgasungen durch saisonale Temperaturschwankungen bedingt werden

Kiel - Vor Spitzbergen ist in einigen hundert Metern Wassertiefe immer wieder Methangas zu beobachten, dass aus Gashydratlagerstätten im Meeresboden stammt. Internationale Forscher des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und des Bremer Zentrums für Marine Umweltwissenschaften, MARUM, konnten jetzt zeigen, dass die Gasaustritte sehr wahrscheinlich nicht durch die Klimaerwärmung verursacht werden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift "Science".

Methanhydrate sind fragil. Die Mischung aus Methangas und Wasser ist als eisförmiger Feststoff am Meeresboden nur bei niedrigen Temperaturen und hohem Druck stabil. In einigen Regionen, so auch im Nordatlantik vor Spitzbergen haben Forscher wiederholt Gasaustritte entdeckt, deren Ursache zunächst unklar war.

Eine Hypothese war, dass die zunehmende Erderwärmung die Hydratschichten langsam auflöst. "Als wir 2008 zum ersten Mal deutliche Methanaustritte vor Spitzbergen beobachteten, waren wir alarmiert", sagt Christian Berndt vom GEOMAR. "Die Gasblasen stammten aus einer Tiefe, in der Gashydrate gerade noch stabil sind. Wir wussten, dass schon eine relativ geringe Erwärmung das Hydrat auflösen kann", so Berndt.

Austritte über tausende Jahre

Die Frage war also, wo die Ursache für die Ausgasungen liegt. Mit Hilfe mehrerer Expeditionen in den folgenden Jahren gelang es den Forschern, dieses Rätsel zu lösen. Die naheliegende Vermutung, dass die zunehmende Erderwärmung bereits bis in die Regionen des Atlantiks vorgedrungen ist, erwies sich dabei schnell als fraglich - die Untersuchungen wiesen deutlich auf natürliche Ursachen hin.

"Zum einen haben wir festgestellt, dass die saisonalen Temperaturschwankungen in dieser Region ausreichen, um die Stabilitätszone der Gashydrate mehr als einen Kilometer den Hang hoch und runter zu schieben", erklärt Berndt. "Ferner haben wir an den Austrittsstellen der Methangase am Meeresboden Karbonate gefunden", ergänzt Tom Feseker vom MARUM. Dies seien deutliche Indikatoren, dass die Ausgasungen schon über sehr lange Zeiträume, wahrscheinlich schon seit mehreren tausend Jahren stattfinden.

Künftiges Risiko

Entwarnung wollen die Forscher in Hinblick auf die Klimaerwärmung aber nicht geben. Über lange Zeiträume würde sich auch der tiefe Ozean erwärmen - insbesondere die polaren Regionen seien davon betroffen. Und dort schlummern noch enorme Mengen von Methanhydrat im Untergrund.

"Als starkes Treibhausgas stellt Methan ein besonderes Risiko dar, durch die Freisetzung großer Mengen, die Erderwärmung weiter zu beschleunigen", erläutert der Geophysiker Berndt. Deshalb sei es notwendig, insbesondere kritische Regionen wie jene vor Spitzbergen langfristig weiter zu beobachten, so die Forscher. (red, derStandard.at, 12.1.2013)

  • Karbonatkrusten am Beobachtungspunkt HYBIS in 385 Metern Wassertiefe. Zum Größenvergleich: die weißen Organismen rechts im Bild haben eine Länge von etwa 15 cm.
    foto: geomar

    Karbonatkrusten am Beobachtungspunkt HYBIS in 385 Metern Wassertiefe. Zum Größenvergleich: die weißen Organismen rechts im Bild haben eine Länge von etwa 15 cm.

  • Untersuchungsgebiet westlich von Spitzbergen. Farbige Punkte markieren Gasaustritte, an drei markierten Punkten wurden Tauchgänge durchgeführt.
    foto: geomar

    Untersuchungsgebiet westlich von Spitzbergen. Farbige Punkte markieren Gasaustritte, an drei markierten Punkten wurden Tauchgänge durchgeführt.

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