Fachhochschulen werden 20 Jahre alt

7. Jänner 2014, 11:32
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1994 starteten erste zehn Studiengänge - Von 700 auf 41.000 Studenten

Wien - Mit den Fachhochschulen (FH) begeht heuer der nach den Unis zweitgrößte akademische Ausbildungssektor sein 20-Jahr-Jubiläum. Im Herbst 1994 starteten die ersten zehn Studiengänge mit rund 700 Studenten, mittlerweile studieren rund 41.400 Personen in 403 Studiengängen an 21 Fachhochschulen. Laut den aktuellen Regierungsplänen soll die Zahl der Studienplätze bis 2018 auf 50.000 steigen

Die ersten FH-"Pioniere" waren in Dornbirn ("Fertigungsautomatisierung"), Wiener Neustadt ("Wirtschaftsberatende Berufe", "Mechatronik - Präzisions-System und Informationstechnik"), Krems ("Tourismusmanagement und Freizeitwirtschaft"), Eisenstadt ("Internationale Wirtschaftsbeziehungen"), Pinkafeld ("Gebäudetechnik und Energieplanung"), Wels ("Automatisierte Anlagen- und Prozesstechnik"), Hagenberg ("Software-Engineering") und Wien ("Tourismus-Management", "Elektronik") beheimatet. Mittlerweile gibt es FH-Studiengänge in allen Bundesländern. 219 führen zum Bachelor-Abschluss, dazu kommen noch 184 Master-Studiengänge.

Nach wie vor dominieren die wirtschaftswissenschaftlichen (41 Prozent) und ingenieurswissenschaftlichen Studiengänge (37 Prozent). Elf Prozent der Studiengänge widmen sich den Gesundheitswissenschaften, sieben Prozent den Sozialwissenschaften, die restlichen vier Prozent verteilen sich auf Angebote aus den Bereichen Kunst, Gestaltung, Militär- und Naturwissenschaften.

Andere Finanzierung

Die FH-Studenten kommen vor allem aus berufsbildenden höheren Schulen (BHS, 43 Prozent), gefolgt von den AHS (29 Prozent). Elf Prozent haben eine ausländische Matura, neun Prozent absolvierten eine Externisten-, Studienberechtigungs- oder Berufsreifeprüfung bzw. eine inländische postsekundäre Einrichtung. Mit der Einführung der gesundheits- und sozialwissenschaftlichen Studiengänge um die Jahrtausendwende ist auch der Frauenanteil gestiegen. Mittlerweile beträgt er rund 48 Prozent - von den bisher ca. 80.000 FH-Absolventen sind etwa 42 Prozent weiblich.

Anders als an den Unis erfolgt die FH-Finanzierung: Geld gibt es nur pro besetztem Studienplatz und zwar im Schnitt rund 7.000 Euro pro Jahr, wobei der Fördersatz mit dem Technikanteil des Studiums steigt. Auch in Sachen Studiengebühren gibt es Unterschiede: An den FH gibt es grundsätzlich Studienbeiträge in der Höhe von 363,36 Euro pro Semester, allerdings verzichten einige Erhalter darauf. Laut FH-Konferenz zahlen derzeit rund 63 Prozent der FH-Studenten Studiengebühren - an den Unis sind es aufgrund der eingeschränkten Gebührenpflicht nur für Langzeitstudenten und Nicht-EU-Bürger sowie zahlreichen Ausnahmen nur rund 15 Prozent.

Hälfte absolviert Studium berufsbegleitend

Weiterer Unterschied zu den Unis: Die Hälfte der FH-Studiengänge wird berufsbegleitend angeboten. Aufgrund des stärker verschulten Systems wird an FH schneller und erfolgreicher studiert.

Die Fachhochschulkonferenz begeht das 20-Jahr-Jubiläum mit der dreiteiligen Veranstaltungsreihe "Im Dialog - 20 Jahre Fachhochschulen". Der erste Teil widmet sich am 10. April in Zusammenarbeit mit der Industriellenvereinigung dem Thema "Wer soll studieren, wer darf studieren?", der zweite zusammen mit der Arbeiterkammer am 21. Mai der "Bildung zwischen Geist und Geld" und der dritte im November gemeinsam mit dem Wissenschaftsministerium der Frage "Ist unser Bildungssytem zu sehr Mainstream?"

Mittlerweile sind die FH auch nicht mehr die jüngsten Angebote im tertiären Bereich: Mit Privatunis (ab 2000) und Pädagogischen Hochschulen (PH, ab 2007) wurden neue akademische Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen. (APA, 7.1.2014)

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