Italien will Pfusch aus dem Schatten holen

6. Jänner 2014, 17:29
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Die italienische Koalition will der Schwarzarbeit zu Leibe rücken - mit mehr Kontrollen und höheren Strafen

Die in Italien weitverbreitete Schwarzarbeit soll durch saftige Strafen eingedämmt werden. Das hat die Regierung per Gesetzesdekret beschlossen. Verschärfungen gibt es, wenn mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer nicht offiziell gemeldet sind. Die Zahl der Arbeitsinspektoren soll aufgestockt werden und Strafzahlungen für die Beschäftigung eines Schwarzarbeiters auf bis zu 15.800 Euro steigen.

Heuer soll auch Italiens Konjunkturmotor anspringen, man erwartet ein Wachstum von 0,4 bis 0,6 Prozent. Die zweckoptimistische Regierungsprognose reicht bis zu einem Prozent.

Großer Teil

Offizielle Daten sind aber nur bedingt aussagefähig: Die Schattenwirtschaft macht einen außergewöhnlich großen Teil des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Die Schätzungen reichen von 25 bis 50 Prozent. Auch Steuerfahnder berichten über auffällige Widersprüche zwischen Steuererklärungen und realen Lebenshaltungskosten der Italiener. "Wir haben eine Schattenwirtschaft auf dem Niveau von Brasilien und Rumänien", empört sich der Chef des Sozialforschungsinstitutes CERM, Fabio Pammoli.

Ansätze zum Kampf gegen die Schwarzarbeit gab es schon oft, der Erfolg blieb aber aus. Nun will die Koalitionsregierung von Enrico Letta nicht nur die Schwarzarbeit bekämpfen, sondern auch dem Arbeitsmarkt neue Impulse verleihen. Er soll mit 1,5 Mrd. Euro angekurbelt und die Anstellung von jugendlichen Arbeitskräften gefördert werden.

Ende 2013 waren fünf Millionen Italiener arbeitslos oder auf Kurzarbeit. Die Arbeitslosenquote erreichte im Oktober mit 12,5 Prozent den Höchststand seit 1997. Die Jugendarbeitslosenrate machte 40,1 Prozent aus. Während die Arbeitslosenquote im Norden zwischen 4,1 und 7,5 Prozent lag, betrug sie in süditalienischen Regionen fast 20 Prozent. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 7.1.2014)

  • Laut Schätzungen macht die Schattenwirtschaft in Italien 25 bis 50 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts aus.
    foto: reuters

    Laut Schätzungen macht die Schattenwirtschaft in Italien 25 bis 50 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts aus.

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