Der "Alpen-Obama" will kein Patriarch sein

7. Jänner 2014, 05:30
3 Postings

Arno Kompatscher muss als Südtiroler Landeshauptmann ohne Absolute regieren

Bozen - Zeitenwende in Südtirol: 53 Jahre wurde das Land von zwei profilierten Persönlichkeiten der Nachkriegsära regiert: Silvius Magnago und Luis Durnwalder. Nun greift jene Generation nach der Macht, die den Kampf um Autonomie und die Bombenjahre nur aus Erzählungen und Büchern kennt. Als die Südtiroler Volkspartei 1969 die von Rom angebotene Autonomielösung knapp akzeptierte, war Arno Kompatscher noch gar nicht geboren.

Der Kontrast zu seinem Vorgänger könnte kaum auffälliger sein. Auf den bulligen Landesfürsten Luis Durnwalder folgt ein smarter Akademiker mit dem Auftreten eines Managers - nach eigenem Bekunden ein "Teamplayer und durch und durch Demokrat". Das Land will er "nicht mehr wie einen Hof führen, in dem alles patriarchalisch aufgebaut ist".

Standfestigkeit und Geschick

Der 42-Jährige ist der erste Landeshauptmann, der ohne absolute SVP-Mehrheit auskommen muss. Ein Sitz fehlte nach der Landtagswahl im Oktober, und das zwang Kompatscher zu langen Koalitionsverhandlungen mit dem Partito Democratico (PD). Ihm muss Kompatscher entgegenkommen: Auf einem Konvent sollen Vertreter der Politik und der Zivilgesellschaft über die Zukunft der Autonomie diskutieren und die Grundlage für ein neues Autonomiestatut schaffen.

Bei den Verhandlungen zur Bildung der neuen Landesregierung bewies Kompatscher Standfestigkeit und Geschick. Er widerstand dem Druck der mächtigen Wirtschaftsverbände zur Bestätigung von Landesrat Thomas Widmann; der muss sich nun mit dem Amt des Landtagspräsidenten zufriedengeben. Kompatscher: "In Krisenzeiten ist Wirtschaftspolitik Chefsache. Wirtschaft betrifft nicht nur bestimmte Lobbys."

Zwei Newcomer verkörpern den Erneuerungswillen: Dem erst 28-jährigen Philipp Achammer vertraute Kompatscher das Ressort Kultur und Bildung an; und die relativ unbekannte Nachwuchspolitikerin Waltraud Deeg wurde Landesrätin für Familie, Informatik und Verwaltungsreform. Das von Durnwalder betreute Ressort Landwirtschaft legte Kompatscher in die Hände von Durnwalder-Gegner Arnold Schuler.

Die freiheitliche Opposition, die Kompatscher als "Alpen-Obama" verspottet, sieht den neuen Landeshauptmann als Gefahr, "weil er den ethnischen Proporz infrage stellt". Dazu bekennt sich Kompatscher aber freimütig: "Posten dürfen nicht nach ethnischen Gesichtspunkten besetzt werden, sondern nach Fähigkeiten, Kompetenz und Professionalität."

Finanzen, Eishockey, Rodeln

Als erste Amtshandlung will der Neue die Budgetausgaben unter die Lupe nehmen. Die Finanzen hat sich der 42-Jährige selbst zugeteilt.

Bereits vor seinem Amtsantritt bemühte sich Kompatscher, aus Durnwalders mächtigem Schatten zu treten. Beim Naturrodel-Weltcup auf der Seiser Alm raste der Eishockeyfan am Sonntag als Vorläufer zu Tal; und zwar nicht auf der Rodel, sondern auf Eislaufschuhen. Anschließender Kommentar: "Das hab ich mir aber schwieriger vorgestellt." Bei der Amtsdauer will er mit seinen Vorgängern nicht konkurrieren: "Im Höchstfall zwei Legislaturen" will er bleiben. (mu/DER STANDARD, 7.1.2014)

  • Arno Kompatscher: Manager statt Landesfürst. 
    foto: apa/rier

    Arno Kompatscher: Manager statt Landesfürst. 

Share if you care.