Diethart ist das Märchen zu Ende gesprungen

6. Jänner 2014, 18:27
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Für Österreich war es der sechste Gesamtsieg en suite und der 15. insgesamt. Für Niederösterreich war es der erste. Der 21-jährige Thomas Diethart gewann das Dreikönigsspringen in Bischofshofen und die 62. Vierschanzentournee

Bischofshofen - Das nennt man unverfroren. Mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, als wäre er sein Lebtag in keiner anderen Situation gewesen, hat Thomas Diethart auch die letzte der vier Prüfungen gemeistert. "Ob man jetzt hinten oder vorne ist, der Sprung muss passen." Also sprach der 21-Jährige aus Michelhausen bei Tulln, und also war er vorne. Dem Erfolg in Garmisch-Partenkirchen ließ er in Bischofshofen einen zweiten folgen. Mit den Rängen drei (Oberstdorf) und fünf (Innsbruck) ergab das einen überlegenen Gesamtsieg. Der erste siegreiche Debütant seit dem Norweger Anders Jacobsen (2007) erhielt 20.000 Franken (16.248,27 Euro) für den Titel.

In Bischofshofen gewann Diethart, der auf 138,5 und 140 Meter flog, vor Sloweniens Peter Prevc (139,5/138,5) und dem Kärntner Thomas Morgenstern, in der Tournee gewann er 18,3 Punkte vor Morgernstern und dem Schweizer Simon Ammann (+20,2), der sich in Bischofshofen mit Rang vier begnügen musste. Diethart sorgte – nach Loitzl, Kofler, Morgenstern und zweimal Schlierenzauer – für den sechsten österreichischen Gesamtsieg in Serie, für den 15. insgesamt und für den ersten niederösterreichischen. Und er beschloss die Tournee quasi mit exakt jenem Satz, mit dem er sie in Oberstdorf eröffnet hatte. "Es ist super, dass ich da bin."

Das "Da" von Oberstdorf war freilich ein ganz anderes gewesen, es hatte sich auf das Tournee-Aufgebot bezogen, in das er im letzten Moment erst gerutscht war. In Engelberg sprang Diethart für den verletzten Thomas Morgenstern ein, als Vierter und Sechster fiel er dem österreichischen Cheftrainer Alexander Pointner auf und auch ein wenig in den Schoß. Bischofshofen war erst Dietharts achtes Weltcupspringen, Landeshauptmann Erwin Pröll war eigens angereist. "Ich hab ihn so gut erwischt", sagte Diethart und meinte seinen finalen Sprung, nicht Pröll. "Es war so eine geile Stimmung, ich hab es einfach genossen, mich gefreut."

Ammann, der viermal Einzel-Olympiasieger war, muss weiter auf seinen ersten Tournee-Gesamtsieg warten. Es ist davon auszugehen, dass der Schweizer noch den einen oder anderen Anlauf nehmen wird, er ist 32 Jahre alt, kein Vergleich etwa mit Noriaki Kasai (41), der die Tournee hinter Prevc auf dem fünften Gesamtrang abschloss.

Schlierenzauers Hoffnung

Gregor Schlierenzauer, der von Diethart als Gesamtsieger abgelöst wurde, machte vor und während seiner achten Tournee ein Problem mit der Anfahrtsposition zu schaffen. Er hat das Problem nicht gelöst, aber das Gefühl oder zumindest die Hoffnung, es rechtzeitig in den Griff zu bekommen. Rechtzeitig für die Olympischen Spiele im Februar in Sotschi. "Ich hätte es außer Acht lassen können, dann wäre es bei der Tournee vielleicht etwas besser gelaufen. Aber im Hinblick auf Sotschi wäre das schlecht gewesen."

Der Tiroler ist erst 23 Jahre alt, und doch hat er schon fast alles gewonnen, was es im Skispringen zu gewinnen gibt, die eine Ausnahme ist ein olympischer Einzeltitel. Diesem seinem Ziel ordnet Schlierenzauer alles unter. Immerhin hatte er vor Bischofshofen mit den Rängen neun, acht und vier eine steigende Tendenz erkennen lassen, nur mit Rang 18 im Dreikönigsspringen war er "natürlich eher unzufrieden".

Dietharts Erfolg, der klarerweise einherging mit Freudentränen bei den Eltern und mit einem Volksfest in Michelhausen, hat Gregor Schlierenzauer nicht rasend überrascht. "Und es taugt mir sehr." Nicht zuletzt, weil er, Schlierenzauer, sich von seinem Nachfolger einiges abschauen könne. Nämlich die Selbstverständlichkeit, die Leichtigkeit, die Unverfrorenheit. (Fritz Neumann, DER STANDARD - 7.1.2014)

Ergebnis Abschlussspringen Bischofshofen

  • Thomas Diethart, 1,73 Meter groß und 59 Kilogramm schwer, beginnt zu realisieren, was er geschafft hat.  
    foto: ap/schrader

    Thomas Diethart, 1,73 Meter groß und 59 Kilogramm schwer, beginnt zu realisieren, was er geschafft hat.  

  • Ein Flug im Licht des Überirdischen.
    foto: reuters/ebenbichler

    Ein Flug im Licht des Überirdischen.

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