Raiffeisentochter in Ungarn könnte teilstaatlich werden

6. Jänner 2014, 13:57
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Medien: Szechenyi-Bank soll Interesse an Raiffeisen-Ungarn haben - auch Erste-Tochter könnte übernommen werden

Wien/Budapest - Die Raiffeisen Bank International (RBI) könnte sich schon bald aus Ungarn zurückziehen. Die teilstaatliche ungarische Szechenyi Commercial Bank hat für die ungarische Raiffeisen-Tochter ein Kaufangebot gelegt, berichteten ungarische Medien am Wochenende.

Die Szechenyi-Bank gehört seit 2013 zu 49 Prozent dem ungarischen Staat. Die Mehrheit hält die T&T Ingatlanforalmazo es Vagyonkezelo, ein Unternehmen, das dem Chef der staatlichen Schuldenagentur AKK, Istvan Töröcskei, zugerechnet wird.

Töröcskei wollte den Bericht der Zeitung "Magyar Hirlap" (Samstag) nicht kommentieren, schreibt die Zeitung "Magyar Nemzet" am Montag laut ungarischer Nachrichtenagentur MTI. Er nehme keine Stellung zu Dingen, die noch nicht abgeschlossen seien.

Auch Interesse an Erste

Angeblich ist der ungarische Staat auch an der Tochter der Erste Group interessiert, so "Magyar Hirlap" unter Berufung auf Regierungskreise.

Sollte Raiffeisen (indirekt) an den ungarischen Staat wandern, müsste die Bank keine Bankensteuer mehr zahlen. Raiffeisen musste 2013 dafür laut Bankangaben vom Dezember 59 Mio. Euro in die Hand nehmen. Zum Vergleich: In Österreich zahlte die RZB-Gruppe 118 Mio. Euro an Bankensteuer.

Die ungarische Regierung unter Viktor Orban macht ausländischen Banken seit geraumer Zeit das Leben schwer. Neben der umstrittenen Bankensteuer verbuchten die Institute - in diesem Fall allerdings auch inländische - mit Fremdwährungskrediten hohe Verluste. Vor zwei Jahren zwang die Regierung nämlich die Banken, die Kredite in Forint-Darlehen umzuwandeln. Viele ungarische Bürger hatten ihre Fremdwährungskredite wegen des Verfalls der Landeswährung nicht mehr zurückzahlen können. Die Banken zogen wegen der Zwangskonvertierung vor den Kadi, im Dezember errangen sie einen Teilsieg vorm Obersten Gericht in Budapest.

Schlechtes wirtschaftliches Umfeld

Zu den größten ausländischen Banken in Ungarn gehören die BayernLB-Tochter MKB und österreichische Institute wie eben Erste Group und Raiffeisen sowie die Bank-Austria-Mutter UniCredit. Neben den steuerlichen und rechtlichen Unsicherheiten kämpfen sie in dem Land auch mit der flauen Wirtschaftsentwicklung.

Kurz vor Weihnachten sagte der ungarische Zentralbankchef György Matolcsy, dass einige ausländische Banken schon bald das Handtuch werfen könnten. Vier der acht großen Institute könnten sich demnach bereits binnen sechs bis 18 Monaten zurückziehen. Anfang Jänner meinte dann der ungarische Wirtschaftsminister Mihaly Varga, dass ein oder zwei ausländische Banken einen Rückzug als realistisches Szenario sehen würden.

Raiffeisen selbst hatte im November verkündet, dass ihre Ungarn-Tochter auf dem Prüfstand stehe. Am Montag war bei RBI in Wien vorerst niemand zu erreichen. (APA, 6.1.2014)

  • Heimische Banken wie Raiffeisen haben in Ungarn seit Längerem einen schweren Stand. Nun könnte ein Verkauf der Ungarn-Tochter bevorstehen.
    foto: apa/jaeger

    Heimische Banken wie Raiffeisen haben in Ungarn seit Längerem einen schweren Stand. Nun könnte ein Verkauf der Ungarn-Tochter bevorstehen.

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