USA wollen Waffenlieferungen in den Irak ausweiten

6. Jänner 2014, 20:54
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Iran und USA wollen Irak im Kampf gegen Al-Kaida unterstützen - Irakische Armee plant Großangriff zur Rückeroberung Fallujas

Bagdad - Nach der Eroberung der Stadt Falluja durch Islamisten hat der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki Anrainer und Stammesvertreter zum Widerstand aufgerufen. Im Staatsfernsehen forderte er am Montag "die Bevölkerung und die Stämme von Falluja" auf, "die Terroristen zu vertreiben". So sollten sie verhindern, dass ihre Stadtteile zum Schauplatz von Kämpfen zwischen den Aufständischen und Regierungstruppen würden.

Angesichts des Wiedererstarkens von Al-Kaida im Irak hat der Iran dem Nachbarland Militärhilfe im Kampf gegen das Terrornetzwerk angeboten. "Wenn die Iraker darum bitten, werden wir ihnen mit Rat und Ausrüstung helfen", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur IRNA am Sonntag den stellvertretenden iranischen Generalstabschef Mohammad Hedjazi.

Truppenunterstützung benötige der Irak allerdings nicht, sagte Hedjazi. Es liege bisher auch keine Anfrage Bagdads für gemeinsame Militäreinsätze gegen Al-Kaida vor. Auch die USA wollen nach offiziellen Angaben ihre Waffenlieferungen in den Irak ausweiten und beschleunigen, um der Regierung beim Kampf gegen Extremisten der Al-Kaida zu helfen. So sei die Lieferung von Hellfire-Raketen ebenso vorgesehen wie der Export von Aufklärungsdrohnen, sagte Regierungssprecher Jay Carney am Montag.

Armee plant Großangriff

Die irakische Armee plant derzeit einen Großangriff, um die von islamistischen Aufständischen eroberte Stadt Falluja zurückgewinnen. Neben der früheren Rebellenhochburg eroberte die Al-Kaida nahestehende Extremistengruppe "Islamischer Staat im Irak und Syrien" (ISIS) auch Teile der 50 Kilometer weiter westlich gelegenen Provinzhauptstadt Ramadi. Rings um Falluja hatte es am Freitag die heftigsten Kämpfe seit Jahren gegeben. Es war das erste Mal seit Jahren, dass Extremisten offen die Kontrolle über eine Großstadt im Irak übernahmen.

Falluja war nach dem US-Einmarsch im Frühjahr 2003 eine Hochburg der sunnitischen Rebellen und Schauplatz heftiger Kämpfe. Schließlich gelang es den US-Streitkräften mit Hilfe regionaler Stammesmilizen, die Stadt und die Provinz Anbar unter ihre Kontrolle zu bringen. Seit dem Abzug der US-Truppen Ende 2012 gewannen islamistische Rebellen aber in Anbar wieder an Boden. Die schiitische Regionalmacht Iran unterstützt bereits den syrischen Machthaber Bashar al-Assad im Kampf gegen die Rebellen im Land.

Anschläge in Bagdad

In der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Sonntag bei mehreren Bombenanschlägen mindestens 19 Menschen getötet worden. Zwei Autobomben und mehrere am Straßenrand versteckte Sprengsätze seien detoniert, berichteten die Polizei und Rettungskräfte.

Der schwerste Anschlag ereignete sich im Norden Bagdads in dem überwiegend von Schiiten bewohnten Viertel Shaab. Dort explodierten die beiden Autobomben. Dabei kamen mindestens neun Menschen ums Leben, 25 wurden verletzt. Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand.

Vorgetäuschter Kontrollposten

Bei einem Zwischenfall an der Fernstraße Bagdad-Kirkuk wurden am Samstagabend zudem sechs Menschen getötet. Bewaffnete Männer hatten dort etwa 90 Kilometer vor Bagdad einen Kontrollposten vorgetäuscht. Als Autofahrer anhielten, eröffneten sie das Feuer und töteten nach Angaben der Polizei sechs Fahrer.

Im Irak rivalisieren Schiiten und Sunniten seit langem. Unter dem 2003 gestürzten Machthaber Saddam Hussein hielten Sunniten die Schlüsselstellungen im Staat, die meisten Iraker sind aber Schiiten. Am Wochenende startete das Militär eine Offensive, um die von Al-Kaida-Angehörigen und sunnitischen Stammeskämpfern kontrollierte Provinz Anbar im Westen des Landes zurückzuerobern. (APA/Reuters, 6.1.2014)

Weiterführende Links:

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WISSEN

Ein Projekt für die ganze Levante

Jene Al-Kaida zugerechnete Gruppe, die versucht, das syrische und das irakische Schlachtfeld zu verschmelzen, kommt in den Medien als "Isis" und als "Isil" vor: Islamischer Staat im Irak und Syrien beziehungsweise im Irak und der Levante. Es geht dabei um die Übersetzung des Begriffes "al-Sham" - Syrien, im Sinne von Großsyrien, oder die heute im Deutschen nicht mehr so gebräuchliche Bezeichnung Levante für das Gebiet im Nahen Osten, das früher auch der "fruchtbare Halbmond" hieß. Von Jihadisten gebraucht, verweist der Name al-Sham nostalgisch auf den Traum von der Wiedererrichtung der Provinz des umayyadischen und abbasidischen Kalifats (unter dem Damaskus aber an Bedeutung verlor).

In Syrien wird die Gruppe meist mit dem Akronym - den zusammengezogenen ersten Buchstaben der Wörter in ihrem Namen - bekannt: Da'ish. Sie ist aus "Al-Kaida im Irak" (Aqi) hervorgegangen. Ihr Führer ist Abu Bakr al-Baghdadi, auch bekannt als Abu Dua. Sein wirklicher Name - mit der er auf der EU- und der US-Terrorliste steht - soll Ibrahim Awwad Ibrahim Ali al-Badri al-Sammarrai sein. Er leitet Isis seit 2010. (guha, DER STANDARD, 7.1.2014)

  • Sunnitische Kämpfer in Falluja.
    foto: apa/epa/jalil

    Sunnitische Kämpfer in Falluja.

  • Iraks Premier Nuri al-Maliki ruft nun die Bevölkerung zum Widerstand auf.
    foto: epa/mohammed jalil

    Iraks Premier Nuri al-Maliki ruft nun die Bevölkerung zum Widerstand auf.

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