Portugals Fußball-Legende Eusebio gestorben

5. Jänner 2014, 16:41
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Torschützenkönig der WM 1966 und erster afrikanischer Star erliegt einem Herzstillstand

Lissabon - Portugals Fußball-Legende Eusebio ist in der Nacht zum Sonntag im Alter von 71 Jahren gestorben. Der Torschützenkönig der Weltmeisterschaft 1966 in England erlag in seinem Haus in Lissabon einem Herz- und Atemstillstand. Eusebio, der "Schwarze Panther", ist das größte Sportidol seines Landes, die portugiesische Regierung verkündete eine dreitägige Staatstrauer.

"Er war wie von einem anderen Planeten. Ein Außerirdischer", schrieb der angesehene portugiesische Journalist Pedro Vasco in einem Buch. Die Sportzeitung "Record" erklärte anlässlich seines 70. Geburtstags, Eusebio sei ein "Mythos", der das Land noch heute "mit Stolz und Freude" erfülle." An Popularität können sich weder die Spieler der goldenen Generation um Luis Figo noch Cristiano Ronaldo (twitterte: "Immer ewig Eusebio, Ruhe in Frieden") mit ihm messen.

Eusebio, der lange Jahre als Teambetreuer und Botschafter des portugiesischen Nationalteams aktiv war, hatte zuletzt mehrfach gesundheitliche Probleme. Während der EM 2012 erlitt er in Polen einen Schlaganfall, nachdem er auf der Tribüne Tore der "Lusos" mit Jubelsprüngen gefeiert hatte. Zu Weihnachten 2011 kämpfte er mit einer Lungenentzündung. Seine öffentlichen Auftritte waren zuletzt immer seltener geworden.

Die zweischneidige WM

Eusebio, Portugiese mit mosambikischen Wurzeln, gilt als einer der größten Fußballer aller Zeiten. Bei der FIFA-Wahl zum Spieler des Jahrhunderts belegte er den neunten Platz. O Pantera Negra wurde 1965 zu Europas Fußballer des Jahres gekürt, ein Jahr später führte er sein Land bei der WM in England zum dritten Platz und wurde mit neun Toren auch zum besten Schütze des Turniers. Die "Seleccao" schaltete bei ihrer ersten WM-Teilnahme zwar sensationell Titelverteidiger Brasilien aus. Legendär ist aber vor allem das Comeback des Teams im Viertelfinale gegen Nordkorea, als die Portugiesen mit vier Eusebio-Toren aus einem 0:3 noch einen 5:3-Sieg machten.

Aber die WM war doch auch eine Enttäuschung für den großen Mann (64 Länderspiele/41 Tore). Bis zuletzt versicherte Eusebio, bei der 1:2-Niederlage im Halbfinale gegen den Gastgeber und späteren Weltmeister England sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen. "Unser Verband hat damals das Spiel verkauft." Eusebio ging unter Tränen vom Platz. 

Benfica

In seiner Vereinskarriere bleiben vor allem die 15 Jahre bei Benfica Lissabon in Erinnerung. Von 1960 bis 1975 führte er den Klub zu elf Meistertiteln, fünf Pokalsiegen und dem Triumph im Europapokal der Landesmeister 1961/62. Im Finale 1962 in Amsterdam gegen das damals fast unschlagbare Team von Real Madrid schaffte Eusebio mit zwei Toren an der Seite der Sturmkollegen Mario Coluna und Jose Augusto Torres den internationalen Durchbruch. Dreimal war Eusebio da Silva Ferreira Torschützenkönig im Landesmeister-Pokal, siebenmal führte er mit Saisonende die Torjägerliste in der portugiesischen Liga an. 1970 und 1973 war er Portugals Fußballer des Jahres.

Auf dem Feld zeichnete sich der Stürmer vor allem durch physische Stärke, Schnelligkeit und außergewöhnliche Schusskraft aus. An die Taten des Stürmers erinnert eine zwei Meter große Bronze-Statue vor Benficas Estadio de Luz in Lissabon.

Billige Tore des Burschen aus der Kolonie

Geboren wurde Eusebio am 25. Jänner 1942 in ärmlichen Verhältnissen in Lourenco Marques, dem heutigen Maputo in Mosambik. Neun Kinder hatte seine Mutter allein durchzubringen, nachdem ihr Mann, ein Eisenbahner, gestorben war. Interessant für die Ausbeuter der Kolonie wurde Eusebio erst, nachdem er das Fußballspiel erlernt hatte - bloßfüßig, mit einem aus Fetzen gedrehten Ball. Bei einem Filialklub von Sporting Lissabon fiel er ob seiner Athletik und seiner Gewandtheit vor dem Tor auf, die 100 Meter lief Eusebio unter elf Sekunden. Während aber Sporting die schon bisher nur mit Speis und Trank entlohnte menschliche Ressource gratis exportieren wollte, bot Benfica-Trainer Bela Guttmann Geld.

Nach heutigem Wert 2000 Euro bekam die Mutter und versprach, das Geld zurückzugeben, sollte der Sohn bei Benfica nicht entsprechen. Es war das beste Geschäft in der Geschichte des nach Mitgliederzahl (rund 235.000, Stand 2012) größten Sportvereins der Welt. Um den ungeliebten Stadtrivalen auszutricksen war der schüchterne junge Mann 1960 in einer Nacht- und Nebelaktion unter dem Namen "Ruth" nach Lissabon geflogen und vor der Vertragsunterzeichnung wochenlang versteckt worden.

Seine Torquote war aufsehenerregend: Im Benfica-Trikot schoss er in 614 Pflichtspielen nicht weniger als 638 Tore. 1968 gewann der 1,77-Meter-Mann mit 42 Toren den erstmals vergebenen "Goldenen Schuh" als bester Torschütze in Europas Ligen. 1973 wiederholte er mit 40 Treffern das Kunststück. 

In Unfreiheit

Großen finanziellen Profit schlug Eusebio aus seiner Karriere nicht. Lukrative Angebote aus Italien konnte er wegen hoher Ablöseforderungen nicht annehmen. Unter Diktator Salazar, der sein Volk mit Sport, Volkskultur und Religion ("Fußball, Fado, Fatima") ruhig zu halten gedachte, war ihm ein Wechsel gar verboten. Eusebio gehöre den Portugiesen, ließ Salazar wissen. Bei Benfica bekam er ein Antrittsgeld von umgerechnet 1.200 Euro und in seinem ersten Jahr 30 Euro pro Monat. "Die Leute in Portugal denken, ich sei reich. Ich lache mich tot", sagte die Legende in späteren Jahren.

Erst nach der Nelkenrevolution (1974) stand Eusebio die Welt offen, doch mehr als ballesterisches Tingeln durch Nordamerika war dem sechsmal am Knie operierten Altstar, der beim Zusammenbruch der Kolonialherrschaft über seine eigentliche Heimat (1975) viel Geld verloren hatte, nicht mehr vergönnt. (sid/red/lü - derStandard.at, 5.1.2014)

  • Blieb seinem geliebten Benfica bis zuletzt eng verbunden: Eusebio mit seinem Enkel Luis Pedro 2012 beim nach ihm benannten Eusebio-Cup im Estadio da Luz in Lissabon.
    foto: ap/seco

    Blieb seinem geliebten Benfica bis zuletzt eng verbunden: Eusebio mit seinem Enkel Luis Pedro 2012 beim nach ihm benannten Eusebio-Cup im Estadio da Luz in Lissabon.

  • WM 1966: Eusebio trifft auch beim 2:1-Sieg im Spiel um Platz drei gegen die UdSSR für Portugal und wird mit insgesamt neun Treffern Schützenkönig.
    foto: ap

    WM 1966: Eusebio trifft auch beim 2:1-Sieg im Spiel um Platz drei gegen die UdSSR für Portugal und wird mit insgesamt neun Treffern Schützenkönig.

  • Trauer in Lissabon.
    foto: reuters/marchante

    Trauer in Lissabon.

  • Eusebio im Porträt: "Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe."

  • Gol!
    foto: ap

    Gol!

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