Wind-Abbruch in Innsbruck, Podest ohne Österreicher

4. Jänner 2014, 15:08
494 Postings

Der Finne Anssi Koivuranta gewann überraschend das Bergisel-Springen. Thomas Diethart verteidigte als Fünfter die Tournee-Führung, Simon Ammann hat Thomas Morgenstern überholt

Innsbruck - Irren ist fröschlich, und deshalb hat sie am Samstag nicht stattgefunden, die angekündigte Absage des Bergisel-Skispringens. Doch speziell die Innsbrucker Frösche sind auch nicht irgendwer, und so hat der Wind immerhin eine Hauptrolle gespielt. Im zweiten Durchgang erzwang er den Abbruch, womit das Ergebnis des ersten Durchgangs zählte.

Der Finne Anssi Koivuranta hatte das beste Los in der Lotterie gezogen, er feierte seinen ersten Weltcupsieg. Dahinter landeten freilich ausnahmslos echte Kapazunder, aufs Stockerl schafften es auch der Schweizer Simon Ammann und der Pole Kamil Stoch. Insgesamt hat sich wenig verändert, der Niederösterreicher Thomas Diethart, der hinter Gregor Schlierenzauer auf Rang fünf kam, verteidigte seine Führung. Ammann, der seinen Rückstand auf zehn Punkte verkürzte, überholte Thomas Morgenstern, der nun Dritter ist. Der Kärntner hatte vergleichbar üble Bedingungen vorgefunden, begrenzte aber "mit einer Granate" als Achter den Schaden.

Die Tournee bleibt spannend, finalisiert wird am Montag in Bischofshofen. Bis dahin ist das große Phrasendreschen angesagt, das spätestens in Innsbruck begonnen hat. "Es ist halt doch ein Freiluftsport", hat am Bergisel eine Runde nach der anderen gemacht. Der in Heftigkeit und Richtung unbeständige Wind brachte mit sich, dass die Mathematik mit ihrer ausgeklügelten Kompensationsformel einpacken und sich quasi zur Meteorologie gesellen konnte. Kein Tag der Wissenschaft also, als ob diese nicht schon genügend Probleme hätte.

Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner ("Ich glaub, es wird gehen") hatte sozusagen die bessere Nase. Richtig großes Pech hatte allein Wolfgang Loitzl, der Gesamtsieger 2009 wurde von einer derart starken Böe erfasst, dass er nur mit Mühe einen Sturz vermeiden konnte. Schlierenzauer, der Vierte, war "happy" mit seinem Sprung, zum Sieg fehlten ihm 3,1 Punkte, aufs Podest 0,8. So kam das erste Österreicher-freie Tournee-Podest seit zwölf Bewerben zustande.

Manuel Fettner, der auf Rang 21 landete, sprach ein wahres Wort gelassen aus: "Der Wind ist unser ständiger Begleiter." Die letzte Phrase zu dreschen, oblag Thomas Morgenstern, der 15 Punkte ("eine Menge Holz") hinter Diethart liegt, aber festgehalten wissen wollte: "Abgerechnet wird am Ende." (Fritz Neumann aus Innsbruck, derStandard.at, 4.1.2014)

Ergebnis: Innsbruck

Gesamtwertung: Nach drei von vier Bewerben

  • Das neue Siegergesicht im Skisprung-Weltcup versteckt sich hinter der Brille: Anssi Koivuranta (FIN).
    foto: reuters/kai pfaffenbach

    Das neue Siegergesicht im Skisprung-Weltcup versteckt sich hinter der Brille: Anssi Koivuranta (FIN).

  • Profiteur der wechselnden Verhältnisse: Simon Ammann (SUI).
    foto: ap/ matthias schrader

    Profiteur der wechselnden Verhältnisse: Simon Ammann (SUI).

  • Bester ÖSV-Adler am Bergisel: Gregor Schlierenzauer (AUT).
    foto: apa/ gindl

    Bester ÖSV-Adler am Bergisel: Gregor Schlierenzauer (AUT).

Share if you care.