Elf Tote durch Schneestürme im Nordosten der USA

4. Jänner 2014, 09:41
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An Alzheimer erkrankte 71-Jährige verirrte sich und erfror - Mehrere Bundesstaaten rufen Notstand aus - Auch Teile Kanadas betroffen

New York/Ottawa - Durch einen heftigen Schneesturm und eisige Temperaturen sind im Nordosten der USA bisher mindestens elf Menschen ums Leben gekommen. Der Wintereinbruch sorgte für zahlreiche Unfälle und Flugausfälle. Auch Teile Kanadas waren betroffen, in der Provinz Quebec herrschten eisige Temperaturen. In New York und New Jersey wurde der Notstand ausgerufen.

Eine an Alzheimer leidende 71-jährige Frau erfror nach Behördenangaben im Norden des Bundesstaats New York, als sie sich in klirrender Kälte verirrte. In Philadelphia kam Medienberichten zufolge ein Straßenarbeiter ums Leben, der unter einem Berg von Streusalz begraben wurde. Mindestens neun weitere Todesfälle, unter anderem Folgen von Verkehrsunfällen, wurden dem Winterwetter zugerechnet.

Unwetterwarnungen

Der Schneesturm "Hercules" mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 105 Stundenkilometern legte den Nordosten der USA am Freitag teilweise lahm. Der Wetterdienst gab Unwetterwarnungen für ein Gebiet von Chicago entlang der Ostküste bis hin zur Hauptstadt Washington aus. An der Ostküste fielen stellenweise bis zu 62 Zentimeter Neuschnee. Allein im Bundesstaat New York ereigneten sich 600 Verkehrsunfälle.

Mehr als 4.200 Flüge wurden gestrichen, tausende weitere waren verspätet. Der New Yorker Flughafen John F. Kennedy musste wegen schlechter Sicht und hoher Windgeschwindigkeiten für mehrere Stunden geschlossen werden. Auch Teile Kanadas waren von dem Wintereinbruch betroffen. In der Provinz Quebec sank die Temperatur am Freitag auf minus 29 Grad, am Tag zuvor war es sogar noch knapp fünf Grad kälter gewesen.

Der Schneesturm ist eine erste Bewährungsprobe für New Yorks neuen Bürgermeister Bill de Blasio, der erst seit Mittwoch im Amt ist. Er rief die Einwohner auf, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben und warnte vor den eisigen Temperaturen in den Abendstunden. 450 Streu- und 1.700 Räumfahrzeuge waren auf den Straßen der US-Metropole im Einsatz. Viele Schulen und Geschäfte blieben geschlossen. Größere Straßen in New York und New Jersey wurden vorübergehend gesperrt, am Freitagmorgen aber wieder für den Verkehr freigegeben. (APA, 4.1.2014)

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Chronologie: Schneemassen, Stromausfälle, gestrichene Flüge: Im Winter haben in den USA Stürme wiederholt ganze Landstriche lahmgelegt. Beispiele für schwere Schneestürme und ihre Folgen:

Februar 2013: Sturm "Nemo" fegt mit Schnee und starken Windböen über den Nordosten hinweg und legt das öffentliche Leben zeitweise lahm. Mindestens 14 Menschen sterben. Hunderttausende Haushalte und Betriebe sind ohne Strom und teilweise auch ohne Heizung. Mehr als 5.000 Flüge sowie alle Zug- und Busverbindungen fallen aus.

Oktober 2011: Ein Schneesturm sorgt im Nordosten der USA für Verkehrschaos und massive Stromausfälle. Mindestens drei Menschen sterben. In New York wird laut CBS der bis dahin stärkste Schneefall im Oktober seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1869 gemessen.

Februar 2006: Schneefälle legen weite Teile des Nordostens lahm. Der New Yorker Kennedy-Airport wird geschlossen. In der Stadt fallen innerhalb kurzer Zeit rund 70 Zentimeter Schnee. Bürgermeister Michael Bloomberg rät, Autos stehen zu lassen, um den 2500 Schneepflügen den Einsatz zu erleichtern.

Februar 2003: Ein schwerer Schneesturm zieht vom Mittleren Westen über den Nordosten der USA. Mindestens 42 Menschen sterben, die meisten bei Verkehrsunfällen. Hunderttausende sind ohne Strom. Viele Straßen in den Staaten Pennsylvania, Illinois, West Virginia und Missouri sind wegen meterhohen Schnees unpassierbar. Die Flughäfen in New York, Washington und Philadelphia stellen den Betrieb ein. In Washington ruht die Arbeit der Bundesbehörden.

Dezember 2000: Der Mittlere Westen, der Südwesten und die Ostküstenregion der USA werden von heftigen Eis- und Schneestürmen heimgesucht. Mindestens 42 Menschen kommen ums Leben. Mehrere hunderttausend Haushalte sind ohne Strom.

Jänner 1998: Eine Kältewelle mit Stürmen und Schnee richtet im Osten Kanadas und der USA große Schäden an. Bis zu 46 Menschen sterben. Nach tagelangem Eisregen erklärt der damalige US-Präsident Bill Clinton den Nordosten der USA zum Katastrophengebiet. Fast vier Millionen Menschen sitzen bei Stromausfällen ohne Heizung, Licht und Wasser in ihren Häusern.

Jänner 1997: In den Staaten Nord- und Süddakota sowie Minnesota toben heftige Schneestürme. Die Unwetter und klirrende Kälte bringen 31 Menschen den Tod.

Jänner/Februar 1996: Bei dem in den USA als "Blizzard of '96" bekannten Schneesturm kommen 243 Menschen ums Leben. An der Nordostküste sind Land- und Luftverkehr tagelang lahmgelegt.

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    Spuren des Schneesturms vor der George-Washington-Brücke in New York.

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