Delfine berauschen sich an Kugelfisch-Gift

4. Jänner 2014, 18:00
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Beim Dreh einer Dokumentation wurden die Meeressäuger dabei beobachtet, wie sie einen Fisch "wie einen Joint" herumreichten

London - Von einer ungewöhnlichen Beobachtung, die sich beim Dreh einer Naturdokumentation ereignet haben soll, berichtet die britische Zeitung "The Sunday Times": Eine Gruppe junger Delfine reichte einen Kugelfisch herum. Die Tiere kauten abwechselnd an ihrem Fang und zeigten anschließend Symptome eines Drogenrauschs. 

Kugelfische (Tetraodontidae) kommen von der tropischen bis zur gemäßigten Zone sowohl im Meer als auch in Süß- und Brackwasser vor. Zu ihrem Schutz produzieren sie ein extrem starkes Gift mit dem Hauptbestandteil Tetrodotoxin, das zu Lähmungen führt und schon in geringster Dosis tödlich ist. Bekannt ist es vor allem durch die japanische Delikatesse Fugu, bei deren Zubereitung größte Vorsicht vonnöten ist: Verzehrt wird nämlich nur das ungiftige Muskelfleisch des Kugelfischs - doch muss darauf geachtet werden, dass kein Gift aus der Haut oder den Innereien der Tiere, wo es sich konzentriert, auf das Fleisch gelangt.

Bio-Drogen

In größtmöglicher Verdünnung kann Tetrodotoxin auch zur Linderung von Schmerzen eingesetzt werden. Möglicherweise haben die Delfine eine weitere Anwendung entdeckt. Das zumindest glaubt der Zoologe Rob Pilley, der am Dreh der BBC-Dokumentation "Dolphins: Spy in the Pod" beteiligt war. Er glaubt, dass die Delfine durch vorsichtiges Kauen gerade soviel von dem Gift aufnehmen, dass es eine berauschende Wirkung hat. Das schließt er aus dem "Trance-ähnlichen Zustand", in dem die beobachteten Delfine anschließend zu Oberfläche geschwommen seien und dort herumhingen, "als wären sie von ihrem Spiegelbild fasziniert". Und sie teilten ihre Erfahrung, indem sie den Kugelfisch "wie einen Joint" weiterreichten.

Da es sich um keine Studie, sondern um eine anekdotische Beobachtung handelt, sind derlei Interpretationen zwar mit Vorsicht zu genießen. Pilley verweist allerdings darauf, dass es kein absoluter Sonderfall wäre. Unter Menschen gäbe es Vergleichbares - so ist in Australien eine Mode aufgekommen, das Gift der Aga-Kröte als halluzinogen wirkende Droge zu verwenden. Manche Konsumenten würden es sogar unbearbeitet direkt vom Rücken der Tiere ablecken. 

Zudem weiß man von Delfinen, dass sie recht erfinderisch darin sind, die Ressourcen ihres Lebensraums zu nutzen. Durch Studien belegt ist beispielsweise, dass eine Population australischer Delfine systematisch Meeresschwämme dazu verwendet, ihre empfindlichen Schnauzen bei der Suche nach Nahrung am Meeresgrund zu schützen. (red, derStandard.at, 4. 1. 2014)

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    foto: reuters/eric gaillard
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