Vizedirektorin des Burgtheaters entlassen

3. Jänner 2014, 17:34
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Silvia Stantejsky soll als Geschäftsführerin Fehler in der Buchhaltung gemacht haben

Wien - Mit 1. September 2013 kam es im Burgtheater zu Veränderungen im Management: Silvia Stantejsky, bisher Geschäftsführerin, wurde zur Stellvertreterin von Direktor Matthias Hartmann; ihr folgte Thomas Königstorfer nach, der zuvor Geschäftsführer des Landestheaters in Linz gewesen war. Und nun, im Dezember, wurde Stantejsky entlassen - "wegen Unregelmäßigkeiten bei der finanziellen Gebarung", wie das Magazin News auf seiner Homepage berichtet.

Hartmann bestätigt: "Tatsächlich haben die Wirtschaftsprüfer bei der gesetzlichen Gebarungsprüfung der letzten Spielzeit, für die Frau Stantejsky noch als Geschäftsführerin zuständig war, Irregularitäten festgestellt. Die führen laut Gesetz zu sofortigen dienstrechtlichen Konsequenzen." Deshalb sei über Weisung von Georg Springer, dem Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, zunächst die Suspendierung, später auch die Entlassung von Stantejsky erfolgt.

Es stehe außer Zweifel, so Springer zum Standard, dass Stantejsky unerlaubte "Drehs" angewendet habe - allerdings nur, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. "Sie ist von der alten Schule: Wir machen alles, um die Kunst zu ermöglichen." Als Stantejsky die Aussichtslosigkeit ihres Tuns erkannte, legte sie die Geschäftsführung nieder.

Silvia Stantejsky, 1955 geboren, kennt die Burg wie kaum jemand anderer: Die Betriebswirtin war von 1980 an Leiterin des Betriebsbüros. Seit der Ausgliederung 1999 in eine GmbH war sie Prokuristin und Stellvertreterin von Geschäftsführer Thomas Drozda. 2008 übernahm sie dessen Aufgaben, da Drozda Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien wurde.

Schon damals wies Stantejsky auf die Unterdotierung hin: Sie bezifferte den zusätzlichen Finanzbedarf mit drei bis 3,5 Millionen Euro, zudem müsse die Inflation abgegolten werden: "Dann kommen wir auf lange Sicht aus. Wenn nicht, bleibt es Jahr für Jahr eine Zitterpartie." Hartmann beklagte in den letzten Jahren wiederholt die finanzielle Situation. (trenk, DER STANDARD, 4./5./6.1.2014)

  • Opfer der tristen Lage: Silvia Stantejsky.
    foto: georg soulek

    Opfer der tristen Lage: Silvia Stantejsky.

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