Kostenexplosion stoppt Kanalausbau in Panama

3. Jänner 2014, 17:09
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Zweifel Panamas an der rechtzeitigen Fertigstellung waren berechtigt: Die Billigstbieter verlangen horrende Nachzahlung

Zwangspause auf einer der größten Baustellen der Welt, der Erweiterung des Panamakanals: Das Konsortium um Spaniens Baugigant Sacyr, die Grupo Unido por el Canal (mit Italiens Impregilo, Belgiens Jan de Nul und Cusa aus Panama), fordert rund 1,6 Milliarden Dollar zusätzlich "zur Deckung unvorhergesehener Mehrkosten".

Geknüpft an ein 21-tägiges Ultimatum drohte man, sich aus dem Projekt zurückzuziehen, und stoppte die Arbeiten. Laut Sacyr forderte Panamas staatliche Kanalaufsicht (ACP) unter anderem "eine teurere, bessere Betonmischung als geplant".

Nach einer zunächst harten Haltung haben die Behörden Panamas Zahlungsbereitschaft signalisiert. Wenn sich herausstelle, dass die von dem Baukonsortium geforderte Summe "akzeptabel" sei, werde Panama zahlen, sagte der Leiter der Kanalverwaltung, Jorge Quijano. Sollten die Behörden der geforderten Geldsumme zustimmen, "werden wir zahlen", sagte Quijano. Sollten sich die Instanzen jedoch zugunsten der Kanalverwaltung äußern, "hoffen wir, dass die andere Seite sich auch an die Spielregeln hält" und deren Entscheidung akzeptiere, fügte er hinzu.

Laut Medienberichten habe Sacyr bereits die geforderten Mehrkosten als fixe Einnahmen verrechnet und vor zwei Wochen der Wertpapierhandelsaufsicht CNMV gemeldet, "dass beim Bau alles in Ordnung sei". Oh, wie schön ist Panama, ganz wie im Janosch-Kinderbuch Bär und Tiger, dachten sich die spanischen Baukonzerne, nebst Sacyr auch die Alpine-Mutter FCC, OHL und ACS, als 2009 die Ausschreibung Milliarden Euro schwerer Aufträge lockte. War doch die Immobilienblase längst geplatzt und die Regierung kappte Investitionen in Infrastruktur massiv. In der Internationalisierung sah und sieht man nach wie vor den Rettungsanker.

"So, so, so gewinnt Sacyr!", jubelte seinerzeit Sacyr-Chef Luis del Riviero, wie sonst Real-Madrid-Fans, als der Zuschlag erteilt wurde. Wie oft Usus in der Branche, wurden die Angebotspreise sehr niedrig angesetzt. Mit 3,1 Milliarden US-Dollar lagen die Spanier um eine Milliarde unter dem Angebot des US-amerikanischen Konsortiums, geführt von Bechtel. Die Amerikaner aber auch Panamas Regierung zweifelten aber, ob Sacyr auch die Kapazität für diesen Mega-Auftrag hätte. Das offenbarte die von Wikileaks aufgedeckte vertrauliche Botschaftskorrespondenz. Selbst die US-Regierung versuchte zu intervenieren. Man vermutete, Sacyr biete absichtlich niedrig, um später mehr zu fordern.

Fertigstellung verschoben

Die für heuer anberaumte Fertigstellung des Kanalausbaus zum 100-Jahr-Jubiläum des Kanals wurde mehrmals verschoben. Zuletzt Anfang Dezember, als die spanische FCC einräumte, auf einem Abschnitt "deutlich im Verzug zu sein". Auch hier wurden "Probleme mit der Betonmischung" als Grund genannt, jedoch keine Extrakosten aufgeschlagen.

Sacyrs Agieren kann für den Konzern verheerend sein. Auf ihm lasteten 20 Milliarden Euro Schulden aus der "Ziegel"-Blase. Sieben Milliarden Euro sind nach dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen und anderer Aktiva noch offen. Das Kanal-Drama trifft jedoch in erster Linie seine spanischen Mitbewerber, die international mit Großaufträgen um ihre Existenz kämpfen. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 4.1.2014)

  • Gebaut wird eine dritte Schleusenanlage, die auch den größten Frachtern, Kreuzfahrtschiffen und Supertankern Platz für eine Durchfahrt bietet.
    foto: apa/moya

    Gebaut wird eine dritte Schleusenanlage, die auch den größten Frachtern, Kreuzfahrtschiffen und Supertankern Platz für eine Durchfahrt bietet.

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