Krebskranker Science-Fiction-Autor macht sein Genom öffentlich

3. Jänner 2014, 17:33
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Jay Lake erreicht mit skurriler Spendensammlung sein Wunschziel

Portland - Wie schon 2007 der Biologe und Unternehmer Craig Venter hat nun auch der US-amerikanische Science Fiction- und Fantasyautor Jay Lake ("Mainspring" / "Die Räder der Welt") sein komplettes Genom sequenzieren lassen. Der 2008 mit Darmkrebs diagnostizierte Lake hat die im Rahmen des "Personal Genome Project" gewonnenen Daten allerdings sogar open source im Internet veröffentlicht.

Der 49-jährige Lake hat zwar keine wirkliche Hoffnung, dass die Daten noch zu neuen Therapiemöglichkeiten für seine weit fortgeschrittene Krankheit führen könnten. Auf seiner Website erklärte er aber, dass er wenigstens auf einen indirekten Sieg über den Krebs hoffe: Dadurch, dass er mit dazu beitrage, dass Forschende und Studierende weltweit neue Erkenntnisse gewinnen könnten.

Telefonsex für den guten Zweck

Um die Aktion zu finanzieren, startete Lake im vergangenen Jahr einen Spendenaufruf. Als Ziel wurden zunächst 20.000 US-Dollar angepeilt, über 48.000 kamen binnen kurzer Zeit zusammen. Die Durchführung zeigte einmal mehr den Zusammenhalt innerhalb der SF- und Fantasy-Gemeinde: Als zusätzlichen Anreiz erklärten sich nämlich zahlreiche prominente Autorenkollegen Lakes von Neil Gaiman über Cory Doctorow bis zu Patrick Rothfuss zur Veröffentlichung skurriler Aktionen bereit, wann immer die Spendensammlung ein Etappenziel erreichte.

So sang "Doctor Who"-Autor Paul Cornell das für eine Männerstimme unerreichbare "Wuthering Heights" von Kate Bush (hier das Video), während SF-Autorin Mary Robinette Kowal eine Kurzlesung aus Klassikern wie "Moby Dick" im Stil von Telefonsex hielt (siehe hier).

Die ernste Seite

Die ganze Aktion war also in bewusst humorvollem Ton gehalten - trotz des ernsten Hintergrunds. Und der betrifft nicht nur gesundheitliche, sondern auch rechtliche Aspekte: Angesprochen auf das Thema Datenschutz, erklärte Lake, dass er sich vor der Aktion mit seiner Familie abgestimmt habe. Und da seine Tochter adoptiert sei, habe er sich auch keine Sorgen machen müssen, ihr mit seinem Gang an die Öffentlichkeit Probleme zu bereiten. (jdo, derStandard.at, 3. 1. 2014)

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