Im Datendschungel

4. Jänner 2014, 09:53
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Wien - OECD, Statistik Austria, Wifo, Deutscher Bundestag, Vereinte Nationen: Die Liste der Institutionen, die alternative Wohlstandsindikatoren herausgeben, um Zufriedenheit abseits von monetärem Wohlstand zu messen, wird länger. "Das sind alles schöne, wichtige Zahlen, doch sie haben nicht die erhoffte Wirkung entfaltet", kritisiert Stefan Bergheim, Direktor des gemeinnützigen Zentrums für gesellschaftlichen Fortschritt in Frankfurt.

Ein Beispiel der mangelnden Wirkung wurde erst kürzlich in Deutschland geliefert. Dort hat eine Enquete-Kommission im Deutschen Bundestag zum Thema "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" im Juni einen Abschlussbericht ihrer Arbeit präsentiert. 844 Seiten umfasst das Papier der Experten.

Die aufgearbeiteten Themen sind ausgesprochen breit und reichen von der Vermögensverteilung über die Energieeffizienz bis hin zum Bildungssystem. Doch konkrete Empfehlungen für die Politik lassen sich schwer ableiten. Bergheim hat die Sorge, dass die komplexen Indikatorensysteme "selbst für Insider" schwer verständlich sind. Daher empfiehlt er, dass die Wohlstandsmessung demokratisiert werden sollte - im Bürgerdialog. "Wenn man in einem Bürgerdialog erarbeitet, was den Menschen eigentlich wichtig ist, hat das gleich eine ganz andere Relevanz für die Gesellschaft."

Schwere Vergleichbarkeit

Karl Aiginger, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), sieht einen weiteren Nachteil der neuen Messlatten: "Das Problem ist, dass sie nicht harmonisiert sind und daher schwer vergleichbar." Wenn verschiedenen Kenngrößen von Land zu Land andere Bedeutung beigemessen werde, ließen sich die Daten deutlich schwerer miteinander vergleichen. Und das dürfte mit der neuen Flut an Indikatoren noch schwieriger werden. (sulu, DER STANDARD; 4.1.2013)

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