Neues Glück im neuen Jahr

3. Jänner 2014, 15:55
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Wenn alles nichts hilft: Lassen Sie sich googeln!

Der Jahreswechsel ist traditionell der Termin, zu dem auch in den Medien besinnlich Rückschau und Vorschau gehalten wird. Dabei kann man sich an eher traditionelle Verfahren halten, wie das etwa "News" mit seinem "Schlank-Plan - 5 Kilo weniger in 21 Tagen und das ohne Diät" geleistet hat. Oder man verschreibt sich mit Haut und Haar "exklusiv" der Moderne, wie es zum Gratis-Wegwerf-Qualitätsblatt "Heute" passt - Menschen 2013: Wen Österreich heuer "googelte"!

Um diese Information sachgerecht darbieten zu können, wurde sie in die bequem konsumierbare Form eines Rankings gegossen: "Hier die Liste der 50 Personen, die die Österreicher 2013 am meisten interessiert haben". Und man muss sagen, auch als Googler sind "die Österreicher" für manche Überraschung gut. Damit sei weniger ein gewisser Hang zur Nekrophilie gemeint, handelt es sich doch bei nicht weniger als neun der 50, "die am meisten interessiert haben", um Gegoogelte, die 2013 mehr oder weniger friedlich von dieser Welt Abschied nahmen. Bemerkenswerter ist da schon, dass es Nelson Mandela, "Tod mit 95", nur auf Platz zwei hinter einem gewissen Paul Walker, "zu fast and furious gerast - Tod mit 40", gebracht hat (nur für den Fall, dass Sie mit die- ser Information etwas anfangen können).

Auch knapp an einer Katastrophe vorbeigerast sind im Wahljahr 2013 Kanzler und Vizekanzler, ohne markanteres Interesse heimischer Googler hervorzurufen, ein Schicksal, dem auch der jüngste Außenminister der österreichischen Geschichte nicht entging. Nur "Blaublüter" H.-C. Strache schaffte es mit Rang 25 in eine mittlere Interessenlage. Die Volkspartei konnte peripher profitieren, errang doch eine Frau Cathy Zimmermann Rang acht dank der Qualifikation: "ÖVP-Events moderieren und Nacktfotos wecken Interesse". Wenn man in der Parteizentrale diesen christlichen Fingerzeig nur richtig zu deuten versteht!

Die Rückschau ins Google-Universum, die "Heute" bot, kann narzisstische Kränkung nur bei jenen Mitmenschen hervorrufen, die un- oder kaum gegoogelt ins neue Jahr entlassen wurden. Stoßen sie vorausschauend und auf der Suche nach Linderung auf den "Schlank-Plan" von "News", kann ihnen rasch geholfen werden. "Wenn Sie noch heute mit unserem Programm beginnen, ist der Bauchansatz schon Anfang Februar Geschichte". Und nicht nur das. "Sie können den 3-Wochen-Plan natürlich beliebig fortsetzen. Solange, bis Sie wirklich mit sich und Ihrer Figur zufrieden sind!" Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn Sie es in diesem Zustand bis Ende des Jahres nicht unter die fünfzig in Österreich Meistgegoogelten schaffen - lebend.

Es wäre aber nicht "News", gäbe sich das Magazin im Rausch der Leserbeglückung 2014 mit dem Angebot einiger Kochrezepte und Turnübungen zufrieden. Nein, gnadenlos wird an "acht Österreichern" enthüllt, "was glückliche Menschen anders machen. Manchmal war es nur ein kleiner Schritt, den jeder gehen kann". Man fragt sich, wieso es überhaupt noch rundliche und unglückliche Zeitgenossen gibt, wenn man nur das Glückskeks "News" aufschlagen muss, um mir nichts, dir nichts schlank und glücklich zu werden. Jedoch welche Verheißung für das neue Jahr!

Es dürfen aber nicht nur "acht ganz normale Menschen erzählen, wie sie ihre Leben selbst verbessert haben", etwa indem sie "frei entscheiden" oder "nicht sudern" (eine Forderung, die schon einen österreichischen Bundeskanzler um sein Amt gebracht, aber vielleicht glücklich gemacht hat). "Spass haben" ist eine ebenso wertvolle Anregung wie: "Lassen Sie Ärger weg".

Wer den privaten Tipps weniger abgewinnen kann, für den hält "News" "Experten-Tipps" bereit. Manche erscheinen zweifelhaft, etwa: "Treiben Sie Sport. Bei körperlicher Aktivität schüttet das Gehirn Glückshormone, sogenannte Endorphine, aus". Besser ist da schon: "Machen Sie einfach nichts. Lassen Sie auch den Fernseher abgeschaltet, denn: Laut einer Studie nimmt mit zunehmender Zahl an TV-Programmen die Zufriedenheit ab". Das leisten, ohne dass man extra eine Studie bemühen müsste, allein die heimischen.

Vor allem: "Täuschen Sie Glück nicht vor - etwa durch Zustimmung auf Facebook. Eine Studie der Universität Michigan sagt: Die häufige Facebook-Nutzung macht unglücklich, weil Neid und Unzufriedenheit ausgelöst werden". Übers Twittern sagt die Studie leider nichts. Wenn alles nichts hilft: Lassen Sie sich googeln! (Günter Traxler, DER STANDARD, 4./5.1.2014) 

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