"Tatort"-Abschied von Franziska: Kölner Kammerspiel im Knast

Ansichtssache6. Jänner 2014, 16:42
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Es tut weh, dass die Kölner "Tatort"-Assistentin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) nach zwölf Jahren ihren Abschied nimmt. So weh sogar, dass die Folge "Franziska" am Sonntag nach dem regulären "Tatort" - Joachim Król ermittelt - aus Jugendschutzgründen erst nach 22 Uhr gesendet wird. Wir begleiten Franziska bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Bewährungshelferin.

foto: orf/ard/martin valentin menke

Es liege, so sagt sie voller Überzeugung, in der Verantwortung der Gesellschaft, verurteilten Straftätern eine zweite Chance zu geben - so wie dem ihr zugeteilten Häftling Daniel Kehl (Hinnerk Schönemann), einem kurz vor der Entlassung stehenden Vergewaltiger und Mörder. Nur: Nachdem im Gefängnis ein ermordeter Mithäftling gefunden wurde, bringt der tatverdächtige Kehl Franziska in seine Gewalt. Ohne jeden Kölschen Witz entwickelt sich die Folge zu einem Kammerspiel im Knast.

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foto: orf/ard/martin valentin menke

Die große Frage: Tut er es oder tut er es nicht - bringt er sie um oder lässt er sie am Leben? Fest steht, sie wird danach nicht mehr arbeiten können. Und das aus nicht jugendfreien Gründen. Nun erzählt der Tatort Geschichten selten um ihrer selbst willen - viel lieber übt er sich als Gesellschaftskritiker.

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foto: orf/ard/martin valentin menke

Geht man davon aus, dass die junge Frau nicht nur mit dem Vergewaltiger in einen Raum gesperrt wurde, um die (beeindruckende) schauspielerische Leistung der beiden Darsteller ins rechte Licht zu rücken, dann hat dieser Tatort eine mehr als verstörende Botschaft. Wer an das Gute im Menschen glaubt und einem Verbrecher die Hand reicht, der braucht sich nicht zu wundern. Fast möchte man sich wünschen, dass es hier um etwas anderes ginge: Effekthascherei. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 4./5./6.1.2014)

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foto: orf/ard/martin valentin menke

"Die zwischen Helfersyndrom und Überlebensinstinkt hin- und hergerissene Polizistin wird radikal mit der eigenen Gesellschaftsvorstellung konfrontiert. Ein großer Auftritt für die vermeintlich kleine Darstellerin", schreibt Christian Buß im "Spiegel"

"Die Assistentin der Kölner Kommissare Ballauf und Schenk, Franziska, wird zur Geisel und hat einen großen, düsteren Auftritt. Absolut sehenswert", heißt es auf Focus.de.

 

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foto: orf/ard/bettina müller

Zuvor, um 20.15 Uhr, zeigt ORF und ARD die "Tatort"-Folge "Der Eskimo" mit Hauptkommissar Joachim Król als Frank Steier. Der findet sich nach einer durchzechten Nacht im Stadtpark auf einer Bank wieder, er wird Zeuge eines Mordes an einem Jogger. Seine Verfolgung der Täterin endet kläglich. Im Präsidium warten gleich zwei Überraschungen auf ihn: Sein Chef präsentiert ihm die Kommissarsanwärterin Linda Dräger. Gleichzeitig wird er als Tatzeuge von dem Mordfall abgezogen.

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foto: orf/ard/bettina müller

"Król als versoffener, verkaterter und seiner Ex-Frau nachtrauernder Ermittler ist wunderbar, die Kamera herausragend, aber die Geschichte auch außergewöhnlich hanebüchen", urteilt der "Tagesspiegel".

Dieser "Tatort sei "nur optisch weniger brutal und obsessiv als 'Franziska'. Und doch ziehen uns die Fernsehalbtraumspezialisten Achim von Borries und Hendrik Handloegten in eine Welt, die aussieht wie unsere, aber anders funktioniert, verschoben, böse, surreal", schreibt die "Welt"

Wie gefallen Ihnen diese beiden "Tatort"-Folgen? Top oder Flop? (red, derStandard.at, 5.1.2014)

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