Südsudans Konfliktparteien nehmen Verhandlungen in Äthiopien auf

3. Jänner 2014, 15:00
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Erneut heftige Kämpfe im Bundesstaat Jonglei - USA ziehen weiter Botschaftspersonal ab

Juba/Addis Abeba - Drei Wochen nach Beginn der Kämpfe im Südsudan haben die Konfliktparteien in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba Gespräche über eine Waffenruhe aufgenommen. Ungeachtet der Friedensverhandlungen lieferten sich Regierungstruppen und Rebellen am Freitag erneut heftige Kämpfe um die Stadt Bor. Die USA zogen wegen der Gewalt weitere Botschaftsmitarbeiter aus Juba ab.

"Die Verhandlungen haben begonnen", teilte das äthiopische Außenministerium mit. Bei den Gesprächen in Addis Abeba kamen die Vertreter von Präsident Salva Kiir und Oppositionsführer Riek Machar zunächst nur mit Vermittlern des ostafrikanischen Staatenblocks IGAD zusammen. Das erste direkte Treffen zwischen den Konfliktparteien wird für Samstag erwartet. Die ersten Delegationsmitglieder waren bereits am Mittwoch in Addis Abeba eingetroffen. Der Beginn der Verhandlungen verzögerte sich aber, weil die Delegationen noch nicht vollständig waren und es Unklarheit über die Abläufe gab.

Die Verhandlungen sollen helfen, den Konflikt zwischen Präsident Kiir und seinem langjährigen Rivalen und früheren Stellvertreter Machar beizulegen, der seit dem 15. Dezember zu heftigen Kämpfen mit tausenden Toten geführt hat.

Präsident Kiir hatte Machar im Juli als Vize-Präsident entlassen. Vor zwei Wochen warf er ihm dann vor, einen Putsch geplant zu haben. Zu der politischen Rivalität kommt hinzu, dass die beiden Männer unterschiedlichen Ethnien angehören: Während Kiir der Volksgruppe der Dinka entstammt, gehört Machar zur Volksgruppe der Nuer. Seit der Eskalation der Gewalt eroberten die Anhänger von Machar mehrere Städte, nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden rund 200.000 Menschen in die Flucht getrieben.

Heftige Kämpfe

Am Freitag gab es wieder heftige Kämpfe um die Stadt Bor. Die südsudanesische Armee rückte nach eigenen Angaben auf die Hauptstadt des instabilen Bundesstaates Jonglei vor, die erst vor wenigen Tagen von den Rebellen eingenommen worden war. "Wir haben genug Soldaten, die die Rebellen binnen 24 Stunden besiegen werden", sagte Armeesprecher Philip Aguer. Die Rebellen seien bereits auf dem Rückzug. Am Mittwoch hatte Kiir den Ausnahmezustand über die beiden ölreichen Regionen Jonglei und Unity verhängt.

Wegen der anhaltenden Kämpfe bringt die US-Regierung weitere Mitarbeiter ihrer Botschaft in der Hauptstadt Juba außer Landes. Wegen einer "Verschlechterung der Sicherheitslage" werde das Botschaftspersonal weiter reduziert, teilte die Botschaft auf ihrer Internetseite mit. In der Erklärung wurden zudem alle US-Bürger aufgefordert, das Land zu verlassen. Noch am Freitag sollte es dafür ein weiteren Evakuierungsflug geben. In Juba selbst blieb es Augenzeugenberichten zufolge jedoch ruhig. Blauhelmsoldaten patrouillierten in den Straßen.

Verhandlungen in Luxushotel

Die Gespräche zwischen den beiden Konfliktparteien finden in einem Luxushotel in Addis Abeba statt. Hier wurden in vergangenen Jahren bereits die Friedensverhandlungen mit dem nördlichen Nachbarn Sudan abgehalten, von dem sich der Südsudan 2011 nach einem 20-jährigen Bürgerkrieg abgespalten hatte. Trotz Unabhängigkeit und Ölreichtums leben die meisten Menschen weiter in tiefster Armut. Beobachter rechnen mit einem langwierigen und komplizierten Dialog.

Insgesamt sind fast 200.000 Menschen auf der Flucht; 57.000 haben seit Beginn der Gewalt Zuflucht in den UN-Einrichtungen des Landes gesucht, wie die Nothilfekoordinatorin der Vereinten Nationen Valerie Amos berichtete. (APA, 3.1.2014)

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