Nordostumfahrung: Anbindung nach Aspern verzögert sich

3. Jänner 2014, 17:12
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Eine gute Anbindung an die Autobahn und die Innenstadt sollen die künftigen Bewohner der Seestadt Aspern haben. Die U-Bahn wurde schon ausgebaut, die neue Straße zur S1 soll nun aber erst 2019 befahrbar sein. TU-Experte Harald Frey kritisiert die Pläne.

Wien - Baukräne prägen derzeit das Bild in der Seestadt Aspern. Im Stadterweiterungsgebiet im Nordosten Wiens sollen einmal 20.000 Menschen leben und ebenso viele Arbeitsplätze entstehen. Und was brauchen die künftigen Einwohner der Seestadt? Infrastruktur und damit auch Verkehrsanbindungen. Die U-Bahn-Linie U2 fährt seit Oktober 2013 in die Seestadt, die Anbindung an die Wiener Nordostumfahrung (S1) wird sich jedoch verzögern. Das gab die Asfinag am Freitag bekannt.

Fertigstellung 2019

Erst 2019 statt wie ursprünglich geplant 2016/17 soll die Straße – sie wird vom Knoten Raasdorf bis Heidjöchl führen – fertiggestellt sein. Ein Sprecher der Asfinag sagt dazu im Gespräch mit dem STANDARD: "Wir arbeiten mit Hochdruck und sind um ein frühes Fertigstellen sehr bemüht."  Grund für die Verzögerung ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung, deren Ergebnis abgewartet werden muss. Erst danach kann mit dem Bau der 4,6 Kilometer langen Straße begonnen werden. Die Asfinag ist aber noch optimistisch: "Vielleicht schaffen wir es, die Anbindung schon 2018 fertigzustellen" , so der Sprecher.

Dazu kommt, dass sich die Asfinag mit der Stadt Wien auf ein akkordiertes Vorgehen bei der Einreichung der Umweltverträglichkeitsprüfung geeinigt hat. Denn neben dem Asfinag-Stück von der S1 zur Seestadt soll auch eine Verbindung zwischen Seestadt und A23 entstehen (siehe Grafik). Die Weiterführung vom Heidjöchl bis zur Südosttangente liegt nicht in der Verantwortung der Asfinag, da sie als Stadtstraße errichtet wird und somit in die Zuständigkeit des Rathauses fällt.

Angestrebt wird ein Baubeginn Ende 2016, Anfang 2017. Spätestens 2019 soll die Verbindungsstraße befahren werden können.

Harald Frey, Verkehrswissenschafter an der Technischen Universität Wien, hält von dem Verbindungsstück zwischen S1 und A23 wenig: "Straßen durch ein so sensibles und dicht besiedeltes Gebiet zu führen macht kaum Sinn, wenn es ein paar Kilometer weiter nördlich ohnehin eine Verbindung zwischen A23 und S1 gibt." Frey spielt auf den Knoten Süßenbrunn an. Auch ohne neue Straßen sei die Anbindung an die Seestadt ausreichend, zumal die U2 in die Seestadt verlängert wurde.

Kritik am Mega-Projekt

Die Probleme bei der Spange Aspern sind nicht die ersten beim Mega-Bauprojekt Nordostumfahrung, für das insgesamt 1,8 Milliarden Euro in die Hand genommen werden. Kritik von Anrainern und Umweltaktivisten gab es immer wieder am Bau des umstrittenen Lobautunnels mitten durch das Umweltschutzgebiet. Die Bürgerinitiative "Rettet die Lobau"  hatte auf "gravierende Projektmängel"  aufmerksam gemacht. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung läuft.

Ein Gutachten der TU Wien bestätige, dass schon bei der Projektplanung von falschen Annahmen ausgegangen wurde. "Im Modell wird angenommen, dass der Motorisierungrad (Zahl der Pkws pro Einwohner, Anm.) weiterhin konstant steigt. In Wahrheit ist er aber leicht rückläufig" , sagt Harald Frey.

Die Wiener Vizebürgermeisterin Renate Brauner zeigt sich ob der Verzögerungen bei der Nordostumfahrung alles andere als erfreut. Man poche auf die Fertigstellung der Aspern-Spange und des Nordteils zwischen Süßenbrunn und Groß-Enzersdorf bis zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt – also 2016/17, sagte sie zur APA. (Rosa Winkler-Hermaden, DER STANDARD, 4./5.1.2013)

  • Der Vertrag wurde im August 2011 von Asfinag, Bund und Stadt Wien unterzeichnet. Sollte sich die Realisierung des S1-Projekts verzögern, rechnet Brauner mit zusätzlichen Kosten. (Im Bild: Auffahrt auf S1 bei Vösendorf)
    foto: apa/asfinag

    Der Vertrag wurde im August 2011 von Asfinag, Bund und Stadt Wien unterzeichnet. Sollte sich die Realisierung des S1-Projekts verzögern, rechnet Brauner mit zusätzlichen Kosten. (Im Bild: Auffahrt auf S1 bei Vösendorf)

  • Die geplante Nordostumfahrung.
    grafik: der standard

    Die geplante Nordostumfahrung.

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