Polizei in Kambodscha schießt auf streikende Textilarbeiter

3. Jänner 2014, 13:07
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Mindestens drei Menschen ums Leben gekommen - Beschäftigte streiken für bessere Löhne

Phnom Penh - Bei Zusammenstößen zwischen protestierenden Textilarbeitern und kambodschanischen Sicherheitskräften sind Augenzeugen zufolge mehrere Menschen getötet worden. Vor einer Fabrik in der Hauptstadt Phnom Penh eröffneten Militärpolizisten am Freitag mit Sturmgewehren das Feuer auf Demonstranten, die für bessere Löhne auf die Straße gezogen waren.

Als die Sicherheitskräfte die Kundgebung auflösen wollten, wurden sie mit Steinen, Flaschen und Benzinbomben beworfen. Durch die Schüsse seien mindestens drei Teilnehmer getötet worden, berichteten Augenzeugen. Ein Sprecher der Militärpolizei sprach von einem Todesopfer und mehreren Verletzten. Unter den Toten sollen auch Frauen sein.

Aufruf zu landesweitem Streik

Die Gewerkschaften hatten zu einem landesweiten Streik aufgerufen und sich mit den Oppositionskräften um den früheren Finanzminister Sam Rainsy verbündet. Sie fordern mehr Geld für die Beschäftigten der Bekleidungsindustrie, die zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des südostasiatischen Landes zählt. Nach zwei Wochen überwiegend friedlicher Streiks und Demonstrationen lösten die Sicherheitskräfte am Donnerstag erstmals eine Demonstration gewaltsam auf. Dabei wurden nach Angaben von Teilnehmern mindestens 20 Menschen verletzt. Auch Pressefotografen, darunter ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters, waren geschlagen worden.

Militärpolizei rechtfertigt Gewalt mit drohender Anarchie

Die kambodschanische Militärpolizei hat am Freitag den Einsatz scharfer Munition gegen Streikende der Textilindustrie bei den Auseinandersetzungen damit gerechtfertigt, dass sonst "Anarchie" drohe. Die Opposition und Menschenrechtler äußerten dagegen scharfe Kritik an dem Einsatz gegen die Arbeiter, die für eine Lohnerhöhung in der wichtigen Textilindustrie streiken.

"Wenn wir ihnen die Fortsetzung des Streiks erlauben, wird es zu Anarchie führen", sagte der Sprecher der Militärpolizei, Kheng Tito. Demnach seien vor den Schüssen neun Uniformierte durch Steine, Flaschen und Benzin-Brandflaschen verletzt. Daraufhin eröffneten die Militärpolizisten mit Sturmgewehren und Pistolen das Feuer. Die Kambodschanische Liga für die Förderung und Verteidigung der Menschenrechte sprach von vier Toten und 21 Verletzten. Es sei die "schlimmste staatliche Gewalt gegen Zivilisten in Kambodscha seit 15 Jahren" gewesen, erklärte die Organisation.

Erhöhung des Mindestlohns abgelehnt

Die Textilarbeiter werden von der Opposition unterstützt, die selbst zu Protesten gegen die Regierung aufgerufen hat. Die Opposition wirft der Regierung massiven Wahlbetrug bei der Abstimmung im Juli vor und fordert Neuwahlen. Der seit 28 Jahren autoritär regierende Ministerpräsident Hun Sen lehnt eine Anhebung des monatlichen Mindestlohns über 100 Dollar ab. Oppositionsführer Rainsy hat den Gewerkschaften dagegen versprochen, den Mindestlohn bei einem Wahlsieg auf mindestens 160 Dollar zu erhöhen.

Die Demonstrationen orientieren sich teilweise an der Protestbewegung im benachbarten Thailand, wo allerdings höhere Löhne in der Textilbranche gezahlt werden. Zu den westlichen Unternehmen, die in Kambodscha produzieren lassen, zählen neben den US-Konzernen Gap und Nike auch deutsche Sportartikelhersteller wie Puma und Adidas. In Kambodscha sind die Arbeitskosten noch geringer als in China. (APA/Reuters, 3.1.2014)

  • Die Proteste werden immer gewaltsamer.
    foto: epa/mak remissa

    Die Proteste werden immer gewaltsamer.

  • Informationen über Land und Wirtschaft.
    grafik: apa

    Informationen über Land und Wirtschaft.

  • Bereits am Donnerstag wurden Proteste gewaltsam aufgelöst.
    foto: reuters/samrang pring

    Bereits am Donnerstag wurden Proteste gewaltsam aufgelöst.

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