Textilarbeiter in Kambodscha streiken weiter

2. Jänner 2014, 18:20
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Proteste wurden gewaltsam aufgelöst - Hersteller drohen mit Abwanderung

Phnom Penh - Seit Monaten fordern Arbeiter von Textilfabriken in Kambodscha eine Erhöhung des Mindestlohns, am Donnerstag wurden mehrere Demonstranten bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften verletzt.

Rund 30.000 Menschen sollen sich vor der Hauptstadt Phnom Penh versammelt haben, wo sich ein Großteil der etwa 800 Fabriken befindet. Laut der Menschenrechtsgruppe Adhoc soll die Regierung das Militär angewiesen haben, die Proteste mit "Zero Tolerance" aufzulösen. Laut Augenzeugen wurden Schlagstöcke und Elektroschocker eingesetzt, Soldaten sollen Maschinengewehre bei sich getragen haben.

Die Behörden versuchten mit ihrem harten Vorgehen die Streikenden einzuschüchtern, sagte Kong Athit von der Textilarbeitergewerkschaft. Unter den Verletzten soll auch ein Fotograf von Reuters sein. Mindestens zehn Aktivisten und Arbeiter wurden verhaftet, sagte ein Sprecher der Militärpolizei. Viele Fabriken haben mittlerweile geschlossen. Der Verband der Textilhersteller warnte, die Streiks könnten Investoren zum Abzug in andere Länder bewegen.

Erhöhung nicht angenommen

Am 24. Dezember hatte die Regierung eingewilligt, die Mindestlöhne für die rund 600.000 Arbeiter des Landes von 80 auf 95 US-Dollar (70 Euro) im Monat zu erhöhen - es war der größte Lohnsprung in mehr als zehn Jahren. Doch wegen der stark gestiegenen Lebenskosten fordern die Gewerkschaften einen Mindestlohn von 160 US-Dollar (116 Euro).

Kambodscha zählt laut dem Index von Least Development Countries zu einem der ärmsten Länder der Welt. Der Großteil der Waren muss aus dem Ausland importiert werden, auch Strom ist verhältnismäßig teuer. Im Gegensatz dazu verzeichnet die Textilbranche seit Jahren stetig wachsende Umsätze und ist mit fünf Milliarden US-Dollar Jahresumsatz die größte Exportindustrie. Ausländische Investoren - allen voran Chinesen, denen viele der Textilfabriken gehören - werden von der Regierung mit Steuernachlässen und Vergünstigungen gelockt.

2012 wurden drei Arbeiterinnen einer Zulieferfabrik der Firma Puma bei Demonstrationen angeschossen. (juh/DER STANDARD, 3.1.2014)

  • Tausende Näherinnen demonstrieren für einen Monatslohn von umgerechnet 116 Euro.
    foto: reuters/samrang pring

    Tausende Näherinnen demonstrieren für einen Monatslohn von umgerechnet 116 Euro.

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