Graz muss weiterhin den Atem anhalten

2. Jänner 2014, 17:54
172 Postings

Die Feinstaubbelastung ist in Österreich leicht zurückgegangen. Graz bleibt bundesweit aber die am stärksten belastete Stadt

Wien/Graz - Die Feinstaubsituation in Österreich war 2013 "etwas besser, aber bei weitem noch nicht gut genug", zog Bettina Urbanek vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) nach Vorliegen entsprechender Erhebungsdaten am Donnerstag Bilanz über die Luftproblematik in Österreichs Städten. Die Belastung sei 2013 zwar in Summe leicht zurückgegangen, laut Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) sei der erlaubte Jahresgrenzwert aber nach wie vor an jeder siebenten Messstelle überschritten worden.

Die Grazer Bevölkerung war der Feinstaubbelastung im abgelaufenen Jahr abermals am stärksten ausgesetzt. An der dortigen Messstelle Don Bosco wurde an 48 Tagen der Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft überschritten. Der erlaubte Jahresgrenzwert liegt bei 25 Tagen. Dieser wurde auch in Wien, Linz, Klosterneuburg, Wolfsberg, Sankt Pölten, Hallein, Innsbruck und Stockerau überschritten. Die Umweltexperten des VCÖ weisen darauf hin, dass speziell diese Kleinstpartikel in die Lungenbläschen und den Blutkreislauf eindringen und in weiterer Folge zu Krebs, Atemwegs- und auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen können.

"Die Feinstaubbelastung war in Graz auch im Vorjahr viel zu hoch. Das zeigt, dass die bisher umgesetzten Maßnahmen nicht ausreichend sind. Vor allem im Verkehrsbereich ist noch vieles zu tun", unterstrich Bettina Urbanek vom VCÖ. Beim zuständigen Umweltlandesrat Gerhard Kurzmann (FP) sieht man die Problematik aber offensichtlich entspannter. Es werde keine neuen Maßnahmen zur Feinstaubreduktion geben, sagte die Sprecherin des Landesrates, Anja Schöggl, im Gespräch mit dem Standard. Das laufende Luftreinhalteprogramm mit Schwerpunkt Fernwärme werde weitergeführt und 2014 evaluiert. Fahrverbote oder Umweltzonen seien für den Landesrat "kein Thema". Der Grazer Verkehrsstadtrat Mario Eustacchio (FP) war am Donnerstag nicht erreichbar.

Erfolg in Umweltzonen

Mit den in Graz weitgehend abgelehnten Umweltzonen haben deutsche Städte, die wie Graz unter hoher Feinstaubbelastung litten, aber offensichtlich Entlastungen erreicht. In Frankfurt etwa wurden 2013 nur noch an insgesamt 22 Tage Überschreitungen registriert. Frankfurt hat seit 2008 eine Umweltzone. In der zweiten hessischen Umweltzone in Wiesbaden blieb die Belastung mit zwölf Überschreitungstagen deutlich unter den Vorjahreswerten.

In Deutschland wurden bereits mehr als 50 Umweltzonen, darunter in Berlin, Köln und München eingerichtet. (Walter Müller, DER STANDARD, 3.1.2014)

Bei 19 Messstellen wurde der Feinstaub-Jahresgrenzwert überschritten (Tage im Jahr 2013 mit Tagesmittelwert von mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft, in Klammer Jahr 2012 - Erlaubter Jahresgrenzwert: 25 Tage)

Graz Don Bosco:               48 Tage (50)
Graz Ost Petersgasse          45 Tage (38)
Graz Süd Tiergartenweg        38 Tage (35)
Leibnitz                      34 Tage (50)
Linz Römerberg (B139)         33 Tage (25)
Wien Belgradplatz             32 Tage (33)
Klosterneuburg                31 Tage (--)
Wien Rinnböckstraße (A23)     30 Tage (28)
Wien Liesing                  30 Tage (33)
Wien Kendlerstraße            30 Tage (25)
Wolfsberg                     30 Tage (28)
Wien Gaudenzdorf              29 Tage (29)
St. Pölten Europaplatz        28 Tage (17)
Hallein (B159)                28 Tage (18)
Graz Mitte Gries              28 Tage (21)
Innsbruck Reichenau           27 Tage (23)
Wien Floridsdorf              27 Tage (35)
Wien Taborstraße              27 Tage (30)
Stockerau                     26 Tage (19)
Mannswörth bei Schwechat (A4) 25 Tage (32)
Linz 24er-Turm                25 Tage (20)
Köflach                       25 Tage (21)
Share if you care.