Weitere Raubkunst-Depots

2. Jänner 2014, 17:54
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Sammlung Gurlitt müsse zurückgegeben werden

Solingen - Der deutsche Museumsdirektor Rolf Jessewitsch bestätigt die Ansicht von Alfred Weidinger, dem Vizedirektor des Belvedere: Auch er meint, dass die Existenz der beschlagnahmten Sammlung Gurlitt in Expertenkreisen bekannt war. Jessewitsch leitet das Kunstmuseum Solingen, das viele Werke von heute vergessenen Künstlern besitzt, die von den Nationalsozialisten als "entartet" bezeichnet worden waren. 2008 initiierte Jessewitsch das "Zentrum für verfolgte Künste", dessen Eröffnung für April 2014 geplant ist.

Im Gespräch mit der dpa sagt Jessewitsch: "Natürlich war niemand in der Wohnung, aber durch Kontakte und Bildverkäufe wurde deutlich, dass Cornelius Gurlitt eine Sammlung mit namhaften Bildern hat. Der Name Gurlitt war vielen Personen im Kunstbetrieb bekannt." Die Sammlung des NS-Kollaborateurs Hildebrand Gurlitt sei aber nicht einzigartig: Im Kulturhistorischen Museum von Rostock befinde sich die Sammlung von Bernhard Böhmer. "Das war einer der von den Nazis autorisierten Kunsthändler."

Auch in Frankreich würden noch etwa 2000 Raubkunst-Objekte in verschiedenen Depots lagern. "Und es gibt auch bei uns Depots, die noch nicht geöffnet sind." Die dafür Verantwortlichen würden darüber nicht reden, und es seien in Deutschland keine Anzeichen dafür zu erkennen, dass die Offenlegung dieser Bestände in Angriff genommen wird.

Jessewitsch vertritt die Meinung, dass die Beschlagnahme der Sammlung Gurlitt zu Unrecht erfolgte. Denn weiterhin sei ein Gesetz aus 1938 gültig, das den Raub aus den Museen (die Eliminierung "entarteter Kunst" ) legitimierte: "Wenn also bei Gurlitt Bilder aus öffentlichem Kunstbesitz sind, dann ist das legal. Deshalb kann man eigentlich nichts anderes machen, als Gurlitt seine Sammlung zurückzugeben. (trenk, DER STANDARD, 3.1.2014)

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