Wo sich ältere Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender sicher fühlen können

Ansichtssache2. Jänner 2014, 18:00
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Harvey Hertz zog gemeinsam mit seiner Katze ein. Der 73-Jährige verließ nach 35 Jahren sein Haus in Minneapolis und mietete ein Zimmer in einer Seniorenresidenz der Stadt - die speziell für ältere Homosexuelle, Bisexuelle und Transidente ausgerichtet ist. Zu dem lokalen Nachrichtenportal "mpr-news" sagte Hertz, dass er sich sicher fühlen und Diskriminierung in einem regulären Seniorenheim entgehen wollte. Der ehemalige Besitzer des ersten schwulen Buchladens in Minneapolis, "A Brother's Touch", wollte seine Sexualität nach Jahren der Offenheit nicht wieder verstecken. Dann hörte er von "Spirit on Lake".

Laut einer Studie der Universität von Washington lebten im Jahr 2011 über zwei Millionen über 50-jährige LGBT-Personen in den Vereinigten Staaten. Diese Zahl soll sich bis 2030 verdoppeln. Außerdem belegen Studien, dass LGBT-Senioren im Vergleich zu heterosexuellen Senioren ärmer und weniger gesund sind sowie weniger Personen als Unterstützungsnetzwerk haben.

Alle Wohnungen ausgebucht

Deshalb zielt "Spirit on Lake" speziell auf diese Bevölkerungsgruppe ab. Eigentlich wurde der Wohnungskomplex vor über einer Dekade unter anderem von Mitgliedern der "Spirit on Lake"-Kirche gegründet, um Personen mit unterschiedlichen Einkommen unter einem Dach zu vereinen. Aber dann kollabierte der Wohnungsmarkt, und das Projekt wurde auf Eis gelegt.

2011 engagierte sich schließlich der Non-Profit-Wohnbauträger PRG gemeinsam mit Everwood Development in dem Projekt und definierte das Ziel neu: leistbare Wohnungen für LGBT-Senioren. Im September 2013 wurde das Projekt fertiggestellt, alle 46 Wohneinheiten waren ausgebucht. Um eine Wohnung zu beziehen, darf das Jahreseinkommen pro Person nicht über 28.850 US-Dollar (21.012 Euro) liegen. Eine Ein-Zimmer-Wohneinheit kostet 720 Dollar (524 Euro).

Transfrau Barbara Satin spricht in "mpr-news" über die Notwendigkeit des Projekts: "LGBT-Senioren wuchsen in einer Zeit auf, in der Homo- oder Transsexualität illegal, gegen das Gesetz, sündhaft war. Sie fühlten sich nie wohl oder sicher, wenn sie sich geoutet in der Öffentlichkeit bewegten." Dieses Sicherheitsgefühl soll die Seniorenresidenz, die erst die zweite ihrer Art in den USA ist, geben. (bbl, derStandard.at, 2.1.2014)

foto: ap photo/ann heisenfelt

Harvey Hertz und Lucretia Kirby in der Seniorenresidenz. Zur Nachrichtenagentur AP sagte die 58-jährige Kirby, dass sie sich nach drei Jahren Einsamkeit und mit einer Behinderung endlich wieder sicher fühle. Sie und ihre letzte Partnerin trafen sich als Nonnen im selben Konvent.

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Der 73-jährige Hertz zog gemeinsam mit seiner Katze Marbles ein.

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"Spirit on Lake" besitzt eine eigene Bibliothek, die älteste LGBT-Bibliothek im Mittleren Westen der USA.

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Barbara Satin lebte die ersten 60 Jahre ihres Lebens als Mann. Erst dann entschied sie sich, ihre weibliche Identität auszuleben.

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foto: ap photo/ann heisenfelt

Satin erzählte "mpr-news" von einer ihr bekannten Transfrau, die vor ihrem Einzug in einem Pflegeheim wieder als Mann lebte, um nicht diskriminiert zu werden.

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foto: ap photo/ann heisenfelt

"Spirit on Lake" ist erst das zweite Wohnprojekt, das auf LGBT-Senioren abzielt. 2014 sollen allerdings Projekte in Chicago, Philadelphia und San Francisco folgen.

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