7000 Jahre Skigeschichte in Salzburg: Vom Eschenbrettl zum Carving-Ski

2. Jänner 2014, 13:48
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Ehemaliges Stallgebäude im Pongauer Werfenweng: Privatsammler Hans Müller hat hier über 1.500 Exponate zur Geschichte und Gegenwart des Wintersports zusammengetragen

Wann es genau begonnen hat mit den zwei Brettln, die für viele die Welt bedeuten, wissen auch die Archäologen nicht ganz genau. Anhand von in Norwegen gefundenen Felszeichnungen lässt sich aber mit Sicherheit sagen: Bereits vor über 7000 Jahren haben sich Menschen mit zwei Brettern an den Füßen im Schnee fortbewegt. Belege aus der Urgeschichte des Skilaufs finden sich auch in Sibirien und in China. Die Skier dienten in erster Linie zur Jagd oder um im Winter Nachrichten von Siedlung zu Siedlung zu überbringen.

Die Skier wurden aber auch für Kriegszwecke verwendet. So etwa im Dreikronenkrieg zwischen Dänemark und Schweden im 16. Jahrhundert. Legendär ist bis heute die Flucht von Gustav I. Wasa vor dänischen Soldaten auf Skiern. Bis heute erinnert der Langlaufbewerb Wasa-Lauf in Schweden Jahr für Jahr an dieses Ereignis.

Die Norweger waren's

Den eigentlichen Anstoß für den modernen Skisport im Alpenraum habe aber erst der norwegische Naturforscher Fritjof Nansen gegeben, erzählt Wolfgang Popp, der jede Woche Besuchergruppen durch das Landesskimuseum in Werfenweng führt. Rund 10.000 Besucher kommen jährlich in das 1993 zu einem modernen Museumsgebäude umgebaute ehemalige Stallgebäude.

Nansen hatte 1888 Grönland auf Skiern durchquert. Die deutsche Übersetzung seines Reiseberichtes habe noch "Auf Schneeschuhen durch Grönland" geheißen, berichtet Popp. Das Wort "Ski" habe es damals im Deutschen noch gar nicht gegeben. "Die Ski sind eben keine österreichische Erfindung", erklärt Popp seinen Zuhörern. Übrigens, auch die "Schneereifen" – heute bekannt als Schneeschuhe – wären von Griechenland und den Karpaten in den Alpenraum gekommen. Zurück zu Nansen: Bereits ein Jahr nach Nansens Skiabenteuer habe sich der österreichische Alpinist Wilhelm von Arlt solche "Ski" organisiert, 1894 gelang Arlt schon die erste Befahrung eines Dreitausenders. Es war der Rauriser Sonnblick.

Georg Bilgeri, Matthias Zdarsky, Bubi Bradl

Was dann kam, ist Skigeschichte: Leutnant Georg Bilgeri führt die Ski in die k. u. k. Armee ein, Matthias Zdarsky veröffentlicht 1898 das erste Lehrbuch. 1908 gibt es am "Bödele" in Vorarlberg den ersten Lift, 1920 stattet Rudolf Lettner – nach einem kapitalen Sturz bei einer Abfahrt vom Eiskogel im Tennengebirge – seine Eschenholzbrettln mit Stahlkanten aus. 1960 kommt von der Firma Marker die erste Sicherheitsbindung auf den Markt, 1990 der erste taillierte Ski. Inzwischen wird aber auch schon gesprungen: 27 Meter waren es 1920, Bubi Bradl gelang dann 1936 der erste 100-Meter-Sprung.

Darüber hinaus widmet sich das im Wesentlichen auf der Privatsammlung des Pongauer Skitechnikers Hans Müller basierende Skimuseum – das Land Salzburg hat beim Bau des Museums finanziell einen großen Anteil getragen – auch Mode- und Livestyle-Themen. Die älteren Besucher können herzlich über Keilhose und Norwegerpulli lachen.

Die jüngeren werden eher über die Ur-Snowboards staunen. Das Snowboard wurde 1982 von Jake Burton weltweit patentiert, die zum Heuholen auf die Alm geschickten Knechte veranstalteten mit ihren Heubrettl aber schon vor Jahrhunderten richtige Wettrennen.

Franz Klammer und Petra Kronberger

Dass in einem Skimuseum auch Exponate erfolgreicher Rennläufer zu bestaunen sind, versteht sich irgendwie von selbst. Franz Klammers Siegerski sind darunter, die Pfarrwerfenerin Petra Kronberger hat sogar eine ihrer drei Gesamtweltcupkugeln zur Verfügung gestellt.

"Wir widmen uns aber auch den Schattenseiten", betont Popp beim STANDARD-Besuch in Werfenweng. Auf Schautafeln und mit großformatigen Fotos wird der Naturverbrauch durch den Wintertourismus zumindest einmal kurz thematisiert. Gerade in Werfenweng ist man in Sachen Ökologie sensibel. Der Ort gehört zu den Alpine Pearls und ist seit Jahrzehnten ein Vorreiter, wenn es um sanfte Mobilität und autofreien Urlaub geht. Eine tiefergehende Auseinandersetzung mit den ökologischen Folgen von Bodenversiegelung oder künstlicher Beschneiung kann in einem kleinen Skimuseum aber naturgemäß nicht stattfinden. (Thomas Neuhold, derStandard.at, 2.1.2014)

Salzburger FIS Landesskimuseum, Weng 138, 5453 Werfenweng

Öffnungszeiten:  Bis 30. April Abendführungen jeden Mittwoch um 20 Uhr. Mai bis November: Mi, Fr, Sa und So 13.00 bis 17.00 Uhr. Gruppenführungen auf Anfrage: +43/664/500 00 96, skimusuem.at

  • Das Skimuseum Werfenweng ist in einem modern umgebauten ehemaligen Stall beheimatet. Das alte Knappenhaus im Bildvordergrund dient als Veranstaltungsraum.
    foto: thomas neuhold

    Das Skimuseum Werfenweng ist in einem modern umgebauten ehemaligen Stall beheimatet. Das alte Knappenhaus im Bildvordergrund dient als Veranstaltungsraum.

  • Wolfgang Popp führt jährlich tausende Besucher durch das Skimuseum. Besonders gerne präsentiert er den Jungen das Heubrettl, sozusagen das Ur-Snowboard.
    foto: thomas neuhold

    Wolfgang Popp führt jährlich tausende Besucher durch das Skimuseum. Besonders gerne präsentiert er den Jungen das Heubrettl, sozusagen das Ur-Snowboard.

  • Skitechnik und -mode im Wandel der Zeit.
    foto: thomas neuhold

    Skitechnik und -mode im Wandel der Zeit.

  • Die Gesamtweltcupkristallkugel von Petra Kronberger gehört mit zu den wertvollsten Exponaten im Skimuseum Werfenweng.
    foto: thomas neuhold

    Die Gesamtweltcupkristallkugel von Petra Kronberger gehört mit zu den wertvollsten Exponaten im Skimuseum Werfenweng.

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