Exportartikel Tempokontrolle

26. August 2003, 22:14
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Auch München interessiert sich für die "Section Control" aus Wien

Wien - 100.000 Fahrzeuge rollen derzeit zu Spitzenzeiten pro Tag durch den Kaisermühlentunnel in Wien, 400 bis 500 davon sind Gefahrenguttransporte. Die am Dienstag offiziell aktivierte "section control" soll sicherstellen, dass sich die Lenker an die Geschwindigkeitsbegrenzung in dem 2,3 Kilometer langen Bauwerk halten. Das österreichische Produkt könnte bald auch exportiert werden.

Wer in den Tunnel auf der A 23, der Donauuferautobahn, einfährt, wird von einer Videokamera erfasst, das Kennzeichen und die Fahrzeugklasse (Pkw oder Lkw) werden ermittelt. Bei der Ausfahrt passiert dasselbe, der Computer berechnet, wie lange man gebraucht hat. Ist man als Autofahrer mit mehr als 83 Stundenkilometern unterwegs gewesen, gehen die Daten vom Tunnel direkt in die Verkehrsabteilung der Wiener Polizei, wo flugs ein Strafmandat verfasst und an den Fahrzeughalter geschickt wird.

Entwickelt wurde die Anlage von der Wiener Firma PKE, einer ehemaligen Philips-Tochter. Am Kaisermühlentunnel-Projekt haben fünf Mitarbeiter unter Leitung von Otto Ludwig von der Wiener Magistratsabteilung 34 gebastelt.

Exportchancen

Aus Ludwigs Sicht gibt es durchaus Exportchancen. "Wir stehen bereits in Kontakt mit München, wo man großes Interesse daran zeigt", erzählt er. Das Problem: Während in Wien die Autos nur von hinten aufgenommen werden, muss nach den deutschen Gesetzen der Fahrer identifizierbar sein. Daher müsste die Anlage adaptiert werden, um die Fahrzeuge samt Lenker von vorne zu filmen.

Hält man sich an die Vorschriften, werden die Daten übrigens nach sieben Minuten gelöscht, wie Sepp Binder, der stellvertretende Leiter der Verkehrsabteilung der Wiener Polizei, erklärt. Auch dann, wenn man nicht mehr aus dem Tunnel kommt. Dies ist im Kaisermühlentunnel möglich, da es dort eine Ausfahrt zur Reichsbrücke gibt, die nicht kontrolliert wird.

Eine mobile "section control" wird der Autobahnbetreiber Asfinag im Winter in einem anderen Bundesland aufstellen. Im Gespräch ist derzeit der unfallträchtige Wechselabschnitt auf der Südautobahn, hier herrscht allerdings noch das Problem unterschiedlicher Tempolimits bei Regen und Trockenheit. (moe/DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2003)

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