Nichts Positives

19. August 2003, 22:53
posten

Wider besseres Wissen hat man knapp zwei Monate so getan, als könne sich im israelisch-palästinensischen Konflikt etwas zum Besseren wenden - Ein Kommentar von Gudrun Harrer

Wider besseres Wissen hat man knapp zwei Monate so getan, als könne sich im israelisch-palästinensischen Konflikt etwas zum Besseren wenden. Diese Illusionen haben am Dienstag einen weiteren Schlag, den bisher schwersten, erhalten. Zwei Israelis wurden wieder durch Selbstmordanschläge ermordet. Die Eskalation war erwartet worden, seit Tagen schaukelte sich die Situation auf. Kein Wunder, im Grunde hat sich nichts, aber auch gar nichts Positives getan während der vergangenen Wochen - auf beiden Seiten nicht.

Mahmud Abbas ist überfordert, vielleicht wird er in seinem Amt nicht lang überdauern. Den Israelis kann er nicht geben, was sie wollen: die Entwaffnung und Zerschlagung der extremistischen Gruppen, das heißt Sicherheit. Er kann das auch deshalb nicht, weil er den Palästinensern nichts zu bieten hat, nicht einmal Hoffnung: Israel legt seine Verpflichtungen unter der Roadmap so aus, dass man sich nicht vorstellen kann, woher ein Palästinenserstaat, der diesen Namen auch verdient, bis Ende nächsten Jahres kommen soll.

Niedergehalten wurde bisher alles durch den Willen von US- Präsident George Bush. Angesichts der Probleme, die die Amerikaner im Irak haben, könnte nicht nur die US-Regierung das Interesse verlieren, sondern auch die arabische Welt etwas von dem Respekt, von "shock" und "awe", die ihr der erfolgreiche Irakkrieg eingeflößt hat. In den vergangenen Tagen ist eine Rückkehr zur alten amerikanischen Nahost-Routine zu beobachten: Verurteilungen wechseln sich ab mit Aufforderungen, Zurückhaltung zu üben - wie Israel es nach dem Hisbollah-Angriff am Sonntag getan hat und offensichtlich auch jetzt tun wird. Dass Armee-Generalstabschef Moshe Yaalon vom Attentäter von Rosh Haayin als "Fatah-Renegat" spricht, ist ein Hinweis, dass der Anschlag nicht direkt der Regierung von Mahmud Abbas angelastet werden wird. Noch nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2003)

Share if you care.