Hitzefrei für Hummeln

6. Oktober 2003, 15:54
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Wetterberichte und ihr Umfeld verzeichnen bei uns derzeit ein Quotenhoch...

Wetterberichte und ihr Umfeld verzeichnen bei uns derzeit ein Quotenhoch. Meist werden dort zwar nur unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Die Sonne hat sich nicht nur im Wetterstudio von Wien heute fett und gelb über der Stadt festgefressen.

Ab und an werden wir dann aber doch aus unserem Fernsehhitzetief gerissen: Der Satz, der dies Montagabend bewerkstelligte, fiel im Rahmen eines Kurzberichts über zu erwartende Ernteausfälle infolge der anhaltenden Rekordtemperaturen.

Man geleitete uns zunächst durch Gewächshäuser, in denen Gurkenpflanzen traurig ihre Blätter hängen ließen. Man warnte uns vor möglichen Preissteigerungen. Und man führte uns schließlich die vor sich hin vegetierenden Tomatenstauden vor, an denen kaum eine rote Frucht zu sehen war.

Und zwar, weil es an der Befruchtung mangelt: Die dafür eingesetzten Hummeln (!) wissen es nämlich besser als andere insektoide Artgenossen. Während diese nämlich landläufig als Inbegriff von Fleiß, Ausdauer und Arbeitseifer gelten und uns stets für Müßiggang anfälligen Zweibeinern nicht nur dieser Tage als Vorbild gelten müssen (der faule Willi einmal ausgenommen), scheint die Hummel gewissen fortschrittlichen Prinzipien - Hitzeferien! - anzuhängen: "Wenn's über dreißig Grad hat", so der kundige Agrarfachmann, "dann arbeiten die Hummeln nicht."

Das klingt mit Verlaub ganz so, als bewahrten diese brummigen Wesen auch in Zeiten hirnversengender Temperaturen einen kühlen Verstand. (irr/DER STANDARD, Printausgabe vom 13.8.2003)

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