Titandach aus Aluminium

21. August 2003, 00:34
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Auch zur Eröffnung der spektakulären Dürer-Ausstellung am 5. September wird es kein weithin sichtbares Wahrzeichen von Hans Hollein für die Albertina geben

Die Oberfläche des Flugdachs wird nicht, wie angekündigt, aus Titan sein. Sondern aus Alu.

Wien - Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Albertina, wünschte sich für sein Museum, das im März dieses Jahres wiedereröffnet wurde, ein "Wahrzeichen, das dem Ort und der Situierung Rechnung trägt". Er lobte daher einen geladenen Wettbewerb aus, den Hans Hollein im April 2001 für sich entschied: Der Stararchitekt schlug unter anderem vor, auf der Augustinerbastei ein 64 Meter langes, weit auskragendes und wie ein Pfeil zusammenlaufendes Dach zu errichten. Dieses werde, meinte Hollein, "ein Strich in der Stadtlandschaft" sein - aus Titan gefertigt: "Hundert Jahre Garantie. Und von der Technologie her 21. Jahrhundert." Fortan sprach man nur mehr vom "Titan-Flugdach".

Doch solch eine flache Flunder mit einer Spannweite von 18 Metern aus diesem Edelmetall herzustellen, erwies sich anfangs als problematisch, schließlich als unmöglich: Zuletzt scheiterten russische Weltraumtechniker an der Umsetzung der kühnen Pläne.

Selbst der um ein halbes Jahr verschobene Fertigstellungstermin (August) ließ sich nicht halten: Das "Titan-Flugdach" soll nun erst ab der dritten Oktoberwoche montiert werden. Und zwar von Waagner-Biró. Allerdings wird die Konstruktion nicht mit einer Oberfläche aus Titan überzogen sein. Sondern aus eloxiertem Aluminium. Die Wirkung sei aber die gleiche, beteuert Direktor Schröder: Maximal 45 Zentimeter dick, werde das Dach neben dem Reiterstandbild des Erzherzogs Albrecht wie ein Messer erscheinen.

Die Kosten für diese "Landmark" samt der Aufstiegshilfe (Lift und Rolltreppe vom Albertinaplatz zur Augustinerbastei) schätzte Hollein 2001 auf 1,26 Millionen Euro. Gerüchteweise soll es zu einer Kostenexplosion gekommen sein. Doch Schröder nennt keine Zahlen. Er wisse sie auch nicht: "Die Rechnungen gehen direkt an die Sponsoren Hanno und Erwin Soravia."

Der Direktor hat sich dafür mit "exorbitant hohen Versicherungsprämien" herumzuschlagen: In der Dürer-Retrospektive (Eröffnung am 5. September) werden 200 Werke, davon 140 aus eigenem Bestand, zu sehen sein. Allein die vier wertvollsten Leihgaben (u. a. das Selbstbildnis aus dem Prado) haben einen Wert von 300 Millionen Euro. (Thomas Trenkler/DER STANDARD; Printausgabe, 13.08.2003)

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