Double Check gefällig?

Blog2. Jänner 2014, 16:03
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Green Bay fumbelte sich ins NFL-Playoff, während Dallas auch ohne Romo seiner Linie treu blieb. Außerdem: vom schwarzen Montag, schwarzen Katzen und Jim Schwartz

„Während Denver an der Spitze diverser Power Rankings und auch der Tabelle zu finden ist, kämpfen die New York Giants mit Jacksonville, Tampa und Pittsburgh (!) um die rote Laterne. Aussichten auf eine Playoff-Teilnahme: Negativ. Für alle vier.“

Das schrieb ich am 11. Oktober und behielt am Ende nur knapp Recht. Denver ist immer noch ganz vorne zu finden, Quarterback Peyton Manning bricht dabei alle Rekorde, darunter die meisten Touchdowns pro Saison (55) und die meisten Passing Yards (5477 – um einen Yard mehr als Drew Brees 2011). Die Giants, Jaguars und Bucs blieben so aussichtslos wie beschrieben, für die Steelers machte sich am letzten Spieltag, unverhofft aber doch, die Tür zum Playoff noch einmal weit auf.

Der nun frühzeitig entthronte Super Bowl Champion Baltimore scheiterte nämlich zum Saisonende hin kläglich, wurde sowohl von New England, als auch von Cincinnati deklassiert, Miami begrub dazu seine Hoffnungen zu Hause gegen die New York Jets. So blieb für Pittsburgh der Pflichtsieg in gegen Cleveland übrig, der recht locker von der Hand ging, aber auch ein Sieg von Kansas City in San Diego wäre vonnöten gewesen. Das klappte dann ganz knapp nicht.

Myself, My Sons And Our Basement

Es waren am Ende aber nur ein paar Zentimeter, die zur Glückseligkeit der Steelers fehlten. Hätte Ryan Succop, vier Sekunden vor dem regulären Ende der Partie, das Fieldgoal zum Sieg für Kansas City aus 41 Yards versenkt, dann würden sie nächste Woche in Cincinnati im Wild Card Game der AFC stehen. Die Partie ging aber in die Nachspielzeit und der Kicker der Chargers, Nick Novak, brachte San Diego den Sieg und gleichzeitig den Wild Card Spot.

Auch die Referees machten bei der Partie nicht die beste Figur, denn besagtes Succop-Fieldgoal hätte nach einer 5-Yards Strafe gegen San Diego wiederholt werden müssen, da die Chargers mit einer illegalen Formation (sieben Mann auf einer Seite des Snappers) am Feld standen. Eine neue Regel in der NFL, die Crew hat den Call einfach verpasst. Die Liga gab den Fehler zu, was Pittsburgh heute nicht mehr hilft. Der ehemalige Vizepräsident der NFL-Referees und heutigen FOX Sports Analyst, Mike Pereira, ist daher überhaupt der Ansicht, dass der sechste Playoff-Platz in der AFC Pittsburgh gehören müsste.

Mike Tomlin, Head Coach der Steelers, sah das Ganze im Keller seines Hauses und wurde nach dem Spiel gefragt, was sich dort so abspielte, als die Flag nicht kam: "I'll leave that between myself, my sons and our basement." Die Reaktionen der Steelers Fans fielen unterschiedlich aus. Naben Ärger über den versäumten Call, mischten sich auch Stimmen die sagen, dass man es sich eigentlich nicht verdient hätte.

Die AFC war aber, beim allem Respekt für die formidablen Broncos, die eh nie zu vergessenden Patriots, den wirklich braven Bengals und Chiefs, die noch nicht ganz vollendeten Colts und die Glücksblitzer aus San Diego, nur ein Nebenschauplatz der Woche 17. Die Musik spielte eindeutig in der NFC.

Chicagos Werk und Green Bays Beitrag

Die NFC North war im gesamten Saisonverlauf die wohl merkwürdigste Division aller acht. Ups and Downs bei allen Teams, dann schien kurz mal Detroit willig zu sein, sich den Titel zu krallen (wenn ihn sonst niemand will?), stürzte dann aber unvermittelt komplett ab und Chicago hatte plötzlich die Chance, den Sack zuzumachen. Green Bay, vor der Saison eigentlich der leichte Favorit, war nach dem Ausfall von Aaron Rodgers nur mehr ein Käsegespenst.

Der Quarterback brach sich am 4. November, im ersten Spiel gegen Chicago, das Schlüsselbein, die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr verflüchtigte sich schnell. Die Packers gewannen im November kein einziges Spiel mehr ohne Rodgers, darunter waren Gegner wie die Giants oder die Vikings. Erst im Dezember klappte es dann mit Siegen wieder - gegen Dallas und Atlanta, um jeweils einen Punkt. Viel Zeit also für die Bears, sich der Lions und Packers zu entledigen. Stattdessen legten sie, ebenfalls zwischenzeitig ohne Starting Quarterback unterwegs, ebenfalls einen Bauchfleck nach dem anderen hin. Detroit, St. Louis, Minnesota, bis hin zur völligen Häutung (dann schon wieder mit Cutler als QB) gegen Philadelphia, das 54 Punkte gegen die einst so stolze Bears Defense aufs Scoreboard brachte.

Alles in allem eine Einladung an Green Bay, sich in der letzten Woche am Soldier Field doch einem Entscheidungsspiel, in der Rivalry der NFL schlechthin zu stellen. Rodgers feierte dabei sein Comeback, auch der fußmarode Randall Cobb tat dies und es sollte ein denkwürdiger Abend werden. Für alle Beteiligten.

Der Ball lebt, Freunde!

Bezeichnend für die Gesamtsituation und Grundstimmung war ein Fumble von Rodgers im Spiel, den fälschlicher Weise (fast) alle am Feld für einen Incomplete Pass hielten. Nicht so Rodgers, der wusste, dass der Ball flog, weil Peppers hinten drauf pfefferte und nicht weil er selbst warf. Jarrett Boykin hob den freien Ball auf und blieb, wie alle anderen, zunächst stehen. Rodgers lief auf ihn zu, erklärte ihm das offensichtlich nicht Offensichtliche und Boykin lief - dann schon brav blitzartig - in die Endzone, während die Bären noch ihren Winterschlaf hielten. Touchdown Green Bay. Wohl eine der kuriosesten Szenen der NFL-Geschichte überhaupt.

Chicago blieb jedoch cool, erwachte, holte sich nach mehreren Führungswechsel im vierten Viertel die Führung erneut zurück und Green Bay stand mit dem Rücken zur Wand. Zwei 4thDowns spielten die Packers schon aus, als sie Midfield beim dritten vierten Versuch und acht Yards standen. Da wurde dann nicht mehr gekleckert. Rodgers und der Rückkehrer im Bunde, Randall Cobb, legten zu den fehlenden acht nochmal 40 bis zur Endzone der Bears zum 33:28 drauf, was dann auch der Endstand war. Die Versuche der Bears mit einer Hail Mary nochmal zum Erfolg zu kommen, endeten mit einer Interception.

Die Packers, die vor einigen Wochen wohl selbst nicht mehr mit einem Playoff-Einzug rechneten, gewannen damit zum dritten Mal in Serie ihre Division. Die Bears wirkten konsterniert und ratlos. Die Division lag vor ihnen bereit zur Abholung und dann kam das alles auf sie zu. Die NFL kann manchmal so grausam sein.

Dallas ohne Romo noch immer Dallas

Das zweiten Entscheidungsspiel fand in Arlington statt. Die Dallas Cowboys und Philadelphia Eagles spielten um den Titel in der NFC East. Auch keine Division, die sich heuer mit arg viel Ruhm bekleckerte. Die Giants spielten langzeitig, die Redskins sogar durchgehend unterirdisch. Philadelphia hat sich mit Chip Kelly einen amüsanten, manchmal auch aberwitzigen College Coach geangelt, der mit Nick Foles wohl eher zufällig den Mann der Zukunft entdeckt hat, als Michael Vick einmal mehr zu Boden ging.

Bei Dallas hing alles an Tony Romo und seinen Go2Guys Bryant, Witten und Murray, nachdem Monte Kiffin die Defense ans statistische Ende der Liga reformierte. Romo sah das Spiel aber nur mehr vom Krankenbett aus, denn ein Bandscheibenvorfall beim Sieg über Washington in der Vorwoche erzwang eine Operation. So startete Kyle Orton für die Cowboys. Der Mann einst dadurch traurige Berühmtheit als Starter in Denver erlangte, als das ganze Mile High Stadion nach Tim Tebow rief (und schließlich auch bekam), danach er sein Bankdasein in Dallas antrat.

Orton machte seine Sache zunächst aber ganz ordentlich. Eine Interception, die nicht seine alleinige Schuld war, ein Touchdown auf Gavin Escobar, einige Drives endeten zumindest mit Fieldgoals, man ging zwar nie in Führung, aber blieb knapp an den Eagles dran. Nach dem zweiten Touchdown von Orton auf Dez Bryant ging das Spiel bei 24:22 für Philly in die Entscheidungsphase.

Da hielt die gescholtene Defense der Cowboys dann und die Chance zum Sieg lag in Ortons Händen. Was dann passierte, das war wohl der Cowboys-Klassiker schlechthin. Ortons zweite Interception brachte den Eagles den Divisionstitel und den Cowboys das vierte Ausscheiden vor den Playoffs in Folge. Ich behaupte: An dem Tag, mit der Defense als Unterstützung, hätten die Cowboys das Spiel mit Romo Under Center wohl gewonnen.

Armes Arizona und Panthers Power

Wie fast jedes Jahr, erreicht ein Team mit einem starken Record nicht das Playoff. Die unglückliche Franchise heuer ist Arizona, das mit 10-6 nur Zuschauer bei den NFC Playoffs ist, während Philadelphia mit 10-6 und Green Bay mit 8-7-1 dabei sind. Das System ist das verdammte System, das die vier Divisionssieger und die zwei besten Teams ohne Divisionstitel im Playoff sieht und eben nicht die sechs Teams mit den besten Records.

Im Vorjahr hatte ich Carolina vor der Saison noch ins Playoff fantasiert, wie immer war ich meiner Zeit voraus. Durchaus überraschend ist aber, dass die Panthers nicht nur New Orleans in der Division auf Platz 2 verdrängen konnten, sondern als Nummer 2 in den NFC Playoffs sich eine Bye Week sichern konnten. Verantwortlich dafür ist zum einen die bissigstes Front 7 der Liga, Teil der gesamt zweitbesten Defense der Liga, zum anderen der unter Head Coach Ron Rivera herangereifte Cam Newton, welcher sich auf direktem Weg zu einer Institution auf der Quarterback-Position befindet. Haben auch nicht alle geglaubt.

Black Monday mit einer Überraschung

Die Kündigungswelle am Montag nach dem letzten Spieltag hat schon Tradition. Auch heuer erwischte es gleich am Tag 1 fünf Trainer. Nach Gary Kubiak, der schon vor einigen Wochen das sinkenden Schiff in Houston verlassen „durfte“, wurden Jim Schwartz (Detroit Lions), Mike Shanahan (Washington Redskins), Leslie Frazier (Minnesota Vikings), Greg Schiano (Tampa Bay Buccaneers) und – für mich überhaupt nicht nachvollziehbar - Rob Chudzinkski (Cleveland Browns) gefeuert. Man wusste in Ohio eigentlich wo man stand und gab Chudzinkski vier Jahre, um eine Franchise neu aufzustellen.

Dann feuert man ihn nach einer 4-12 Saison mitsamt einigen ganz knappen Niederlagen gegen New England, Chicago, Kansas City und Baltimore? Entweder lag es daran, dass man vor der Bye Week Playoff Hoffnungen hatte, nach dieser kein Spiel mehr gewann, oder der Mann hat sich dort Feinde gemacht. So richtig richtig kann der Move nicht sein.

Schauen Sie fern

Die anstehenden Wild Card Spiele sind allesamt im TV auf SPORT1 US oder im Web via NFL Game Pass zu verfolgen. Gratis, aber sicher nicht umsonst wird auf PULS 4 die Partie zwischen Green Bay und den San Francisco 49ers am kommenden Sonntag (5. Jänner) gezeigt. Kickoff ist um 22:40 Uhr. Die Sendung beginnt um 22:25 Uhr mit den Studioexperten Chris Calaycay (Head Coach Raiffeisen Vikings) und Referee Bojan Savicevic. Ich darf, zusammen mit Michael Eschlböck, das schöne Päckchen dann mit Kommentaren schmücken.

Das Spiel wird eine Nagelprobe für Green Bay, denn mit den 49ers, die jetzt seit sechs Spielen ungeschlagen sind, haben sie in der Wild Card-Runde ein ganz anderes Kaliber als Chicago vor der Flinte. Gegen die Kalifornier gab es für die Packers in jüngster Vergangenheit zudem nichts zu bestellen, was für die Playoffs natürlich wenig Aussagekraft hat. Eigene Gesetze und so. Green Bay betrachtet nach der verrückten Saison jedes weitere Spiel wohl als neues Geschenk und kann sehr entspannt auftreten. Sollten sie so entspannt sein, wie sie damals 2010 waren, als sie ins Playoff rein rutschten, dann weiß man ja bereits, wie das am Ende ausgeht. Double Check gefällig? (Walter Reiterer, derStandard.at, 1.1.2014)

NFL Playoff Bild

AFC Divisional Playoff
#1 Denver Broncos vs. TBD
#2 New England Patriots vs. TBD

Wild Card Runde
#3 Cincinnati Bengals vs. #6 San Diego Chargers
#4 Indianapolis Colts vs. #5 Kansas City Chiefs

NFC Divisional Playoff
#1 Seattle Seahawks vs. TBD
#2 Carolina Panthers vs. TBD

Wild Card Runde
#3 Philadelphia Eagles vs. #6 New Orleans Saints
#4 Green Bay Packers vs. #5 San Francisco 49ers

  • Er kam zurück, sah und redete mit Freund Boykin. Denn durchs Reden kommen manchmal Touchdowns zustande. Aaron Rodgers. Gebetsmühle, Quarterback und gefürchteter Photo-Bomber aus Wisconsin.
    foto: allen kee/ espn images

    Er kam zurück, sah und redete mit Freund Boykin. Denn durchs Reden kommen manchmal Touchdowns zustande. Aaron Rodgers. Gebetsmühle, Quarterback und gefürchteter Photo-Bomber aus Wisconsin.

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