Börse feiert Fiats Chrysler-Übernahme

2. Jänner 2014, 18:00
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Fiat sucht Größe und sackt Chrysler ganz ein: Die Nr. 7 der Weltautobauer erhöht so die Schulden auf zehn Milliarden und will die operativen Kräfte bündeln

Zumindest für Fiat-Aktionäre begann 2014 mit einem Kursfeuerwerk: Zeitweise um fast 17 Prozent schoss die Fiat-Aktie (auf 6,8 Euro) in die Höhe, nachdem der Turiner Autobauer bekanntgegeben hatte, den US-Ableger Chrysler komplett zu übernehmen. Fiat-Aktien wurden am Donnerstag wegen übermäßigen Kursgewinns zeitweise vom Handel an der Mailänder Börse ausgesetzt.

Fiat avanciert mit der Übernahme der restlichen 41,5 Prozent von Chrysler um 4,35 Milliarden Dollar (3,19 Mrd. Euro) zum siebentgrößten Autobauer der Welt. Umsatz: 61,5 Milliarden Euro Umsatz, 215.000 Beschäftigte. Zu den Konzernmarken gehören Ferrari, Maserati und Alfa Romeo ebenso wie Landia, Dodge und Jeep. Die US-Ratingagentur Fitch erklärte am Donnerstag, dass der Deal keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Rating von Fiat (BB- mit negativem Ausblick) habe. Fitch warte auf die Jahresergebnisse des Konzerns, um eine etwaige Revision des Ratings vorzunehmen.

Überzeugt von Übernahmepreis

Während Fiat-Chef Sergio Marchionne erklärte, Fiat schreibe mit der Übernahme von Chrysler Geschichte, zeigten sich Branchenexperten insbesondere vom Übernahmepreis überzeugt. Der liege deutlich unter den erwarteten rund fünf Milliarden Dollar. Auch müsse Fiat von den 3,7 Milliarden Dollar sofort nur 1,7 in bar an den Chrysler-Pensionsfonds Veba zahlen, der Rest in künftigen Dividenden. Dies sei ein Zehntel jenes Preises, den Daimler 1999 für Chrysler hingeblättert hatte und weniger als die Hälfte, die US-Finanzinvestor Cerberus 2007 für 80 Prozent Chrysler-Anteile, wie italienische Medien vorrechneten.

Entsprechend gepriesen wird in Mailand das Verhandlungsgeschick von Fiat-Chef Sergio Marchionne. Skepsis überwiegt hingegen, was die Zukunft betrifft. Giuseppe Berta von der Bocconi-Universität verweist darauf, dass die Fusion Fiat-Chrysler eine kostspielige Angelegenheit sei. "Die wahre Herausforderung liegt nicht in der Chrysler-Übernahme, sondern in der Verschmelzung der beiden Autobauer." Marchionne will die Fusion noch heuer durchziehen, um möglichst bald an die Börse zu gehen. Laut Kreisen könne es jedoch Jahre dauern.

Die Gewerkschaften sind skeptisch, ob Fiat trotz die versprochenen Investitionen im Volumen von sieben Mrd. Euro in Italien auch wahrmachen wird. "Die Globalisierung verleitet dazu, ins kostengünstigere Ausland zu gehen", meint Giuseppe Farina, Generalsekretär des Gewerkschaftsbundes Fim Cisl. Fiat produziert in den fünf italienischen Werken nicht einmal mehr ein Zehntel seiner gesamten Pkw-Produktion. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 3.1.2014)

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