Südsudan: Notstand in zwei Bundesstaaten

2. Jänner 2014, 08:42
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Kurz vor Beginn von Friedensverhandlungen verhängt Präsident Salva Kiir für Teile des Landes den Notstand

Nairobi - Kurz vor Beginn der Friedensverhandlungen für den Südsudan hat Präsident Salva Kiir für Teile des Landes den Notstand verhängt. Die Regierung teilte am Mittwoch über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, der Ausnahmezustand betreffe die Bundesstaaten Jonglei und Unity. Nach rund zweiwöchigen Kämpfen im Südsudan hatten sich Regierung und Rebellen unter internationalem Druck zu Friedensgesprächen bereiterklärt. Beide Seiten kündigten die Entsendung einer Verhandlungsdelegation in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba an, wo die Gespräche zur Wochenmitte beginnen sollten. Die Afrikanische Union (AU) hatte mit Sanktionen gedroht, um einen Bürgerkrieg zu verhindern.

Hintergrund des Konflikts ist ein Machtkampf zwischen Präsident Kiir und seinem ehemaligen Stellvertreter Machar. Beide Politiker gehören rivalisierenden Volksgruppen in dem noch jungen afrikanischen Staat an. Bei den Kämpfen wurden mehr als Tausend Menschen getötet, etwa 200.000 Menschen sind vor der Gewalt geflohen. Der Südsudan ist erst seit 2011 unabhängig. Damals spaltete sich das ölreiche Land mit seinen 10,8 Millionen Einwohnern vom Sudan ab.

Südsudan zwischen Hoffen und Bangen

Die Erfolgschancen der Friedensgespräche sind offen. Trotz dieser geplanten Friedensgespräche der Konfliktparteien gehen die Kämpfe in Teilen des ostafrikanischen Landes auch im neuen Jahr weiter. Augenzeugen berichteten am Mittwoch von neuen Gefechten rund um die strategische Stadt Bor im Bundesstaat Jonglei.

Zehntausende auf der Flucht

Nach Angaben des Roten Kreuzes sind dort nach wie vor Zehntausende Menschen auf der Flucht. Sie überquerten den Nil, um Zuflucht im angrenzenden Bezirk Awerial zu suchen. "Auf der Straße zum Fluss sind Tausende Menschen unterwegs, während viele andere auf Boote warten, die sie auf die andere Seite bringen sollen", erklärte die Hilfsorganisation.

Die Flüchtlinge bräuchten dringend Unterstützung. Das Rote Kreuz habe damit begonnen, 30.000 Menschen in der Region unter anderem mit Decken, Kochgeräten, Kanistern und Lebensmittel zu versorgen.

"Gespräche sind einzige Lösung"

Die gebeutelte Bevölkerung begrüßte die geplanten Verhandlungen. "Die Gespräche in Addis Abeba sind die einzige mögliche Lösung für die Krise im Südsudan. Sonst werden noch viel mehr Zivilisten sterben", sagte Michael Abe, ein Bürger aus der Hauptstadt Juba. Hier entspannte sich die Lage zu Jahresbeginn: Geschäfte hatten geöffnet und Autos verkehrten auf den Straßen. Jedoch sei die Stadt leerer als zuvor, betonten Beobachter. Die blutige Gewalt hatte in Juba begonnen und viele Einwohner in die Flucht getrieben.

Ein kenianischer Geschäftsmann warnte, dass ohne einen schnellen Dialog alle Fortschritte seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 2011 zunichte gemacht würden. "Die Investitionen etwa in Hotels, Geschäftsgebäude oder die Wasserversorgung, die von Südsudanesen und Ausländer gemacht wurden, stehen auf dem Spiel", erklärte Pious Kamou.(APA/Reuters, 2.1.2014)

  • UN-Polizisten aus Bangladesh bei ihrer Ankunft in Juba.
    foto: reuters/akena

    UN-Polizisten aus Bangladesh bei ihrer Ankunft in Juba.

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