Schumachers Zustand unverändert kritisch

2. Jänner 2014, 05:36
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Formel-1-Rekordweltmeister bleibt auch am vierten Tag nach seinem Skiunfall in künstlichem Koma und schwebt weiter in Lebensgefahr

Grenoble - Der Zustand von Michael Schumacher ist unverändert kritisch, seit er sich in der Silvesternacht zumindest stabilisiert hat. "Das ist für den Moment eine gute Nachricht. Ich betone für den Moment", hatte zuletzt Schumachers Managerin Sabine Kehm am Neujahrstag in Grenoble erklärt. Schumacher befindet sich auf der Intensivstation der Uniklinik von Grenoble im künstlichen Koma. Bekannt und Verwandte, die ihn dort besuchen, werden von der Öffentlichkeit auf eigenen Wunsch abgeschirmt.

"Wir müssen alle vorsichtig sein mit unseren Einschätzungen", hatte Kehm am Mittwoch betont. Dennoch waren es zumindest keine schlechteren Nachrichten, die Schumachs Managerin bei einer chaotischen Presserunde vor zahlreichen Kamerateams überbracht hatte. "Es gab keine Veränderungen, weder im positiven noch im negativen", sagte sie schon da. Schumacher schwebt damit einen Tag vor seinem 45. Geburtstag am Freitag weiter in Lebensgefahr.

Operation ohne Komplikationen

"Es liegt noch ein langer Weg vor ihm", hatte Jean-Francois Payen vom behandelnden Ärzteteam bereits am Dienstag in Grenoble betont. Nachdem Schumacher am Montagabend um 22.00 Uhr operiert worden war, hatten die Mediziner die Situation um den siebenfachen Weltmeister "etwas besser unter Kontrolle". Bei dem zweistündigen Eingriff war ein Hämatom auf der linken Hirnseite entfernt worden. Die Operation war ohne Komplikationen verlaufen.

Wie schon die Ärzte am Dienstag, wies auch Managerin Kehm darauf hin, dass man nur von Stunde zu Stunde und Tag zu Tag schauen könne. Zu schwer sind die Kopfverletzungen, die sich Schumacher bei seinem Skiunfall am Sonntag in Meribel zugezogen hat.

Sturz in Meribel

Schumacher hatte unmittelbar vor seinem Unfall einem auf der Piste gestürzten Freund geholfen. Anschließend sei Schumacher in den Tiefschneebereich zwischen zwei Pisten gefahren, hatte seine Managerin unter Hinweis auf Schilderungen von Begleitern berichtet. Dort sei der 44-Jährige beim Ansatz zu einer Kurve gegen einen Felsen gefahren und in die Luft geschleudert worden. Kopfüber sei er dann auf einen weiteren Felsen gestürzt, sagte Kehm vor Journalisten. Schumacher erlitt dabei ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, nach seiner Einlieferung in Grenoble war er sofort notoperiert worden.

Mit der zweiten Operation gelang es den Ärzten, den Innendruck in Schumachers Schädel zu verringern. "Wir haben mehr Zeit gewonnen", sagten die Mediziner. Es gebe Phasen der Stabilität, dann aber auch wieder Veränderungen, hieß es am Dienstag. Schumacher habe immer noch zahlreiche Blutgerinnsel im Gehirn. Die anderen Hämatome seien schwerer zugänglich als das, das zuletzt entfernt worden sei.

Dass die zweite - nicht geplante - Operation am Montagabend möglich geworden war, hatte die Ärzte nach eigener Aussage selbst überrascht. Der Überdruck im Schädel habe zuvor größte Besorgnis ausgelöst, sagte Payen. Nach Absprache der behandelnden Ärzte und der Familie Schumachers operierten die Mediziner umgehend. 

Große Anteilnahme

Neben der Familie hofft auch die ganze Sportwelt auf eine Genesung Schumachers. "Ihm kann jetzt allein der liebe Gott helfen, er entscheidet Dinge, die wir nicht verstehen können", sagte Niki Lauda gegenüber der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit". Der frühere Formel-1-Weltmeister könne sich in seiner Logik nicht erklären, warum Michael nicht als Rennfahrer verunglückte, sondern beim Skifahren mit seinem Sohn und Freunden.

Schumacher wurde auch mittels Neujahrsgrüßen viel Anteilnahme zuteil. "Wir wünschen allen Gesundheit, Liebe und ein erfolgreiches Neues Jahr!#2014. Unsere Gedanken und Gebete gelten Schumi und seiner Familie!", twitterte die deutsche Tennis-Legende Boris Becker am Neujahrstag. Schumachers ehemaliger Formel-1-Rennstall Ferrari schrieb: "Frohes neues Jahr!#MichaelSchumacher. Wir sind alle bei Dir!"

"Meine Gedanken sind bei Michael Schumacher und seiner Familie zum Start von 2014", twitterte der Präsident des Fußball-Weltverbandes, Joseph Blatter. Auch die amerikanische Motorsport-Ikone Mario Andretti schloss Schumacher in seine Wünsche für das neue Jahr ein. "Werd gesund#Schumi", twitterte der Weltmeister von 1978.

Journalistenauflauf

Vor und in dem Krankenhaus in Grenoble spielen sich indes teils groteske Szenen ab. So soll ein als Priester verkleideter Journalist versucht haben, sich Zugang zu Schumacher zu verschaffen. Sicherheitskräfte hätten den Mann aber rechtzeitig daran gehindert. Die Leitung des Krankenhauses zieht nun angeblich Maßnahmen gegen die rund hundert Journalisten vor Ort in Erwägung, sie sollen möglicherweise vom Krankenhaus-Areal verbannt werden, weil sie wichtige Arbeitsabläufe behindert hätten. Unter anderem sollen Journalisten bereits mehrfach die Einfahrt zur Notaufnahme des Universitätskrankenhauses blockiert haben. (APA/red, 2.1.2014)

  • In diesem Bereich soll der folgenschwere Sturz passiert sein.
    foto: epa/david ebener

    In diesem Bereich soll der folgenschwere Sturz passiert sein.

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