"Ein Talent, sinnlose Sätze auszustoßen"

22. August 2003, 16:32
1 Posting

Bewunderung und ironische Skepsis: Arnold Schwarzenegger als Mega-Medienphänomen

"Herr Schwarzenegger spielt mit seiner gewohnt bleiernen Miene und zeigt sein Talent, schwer zu vergessende, sinnlose Sätze auszustoßen. Dieses Talent dürfte wahrscheinlich auch der Ursprung seines neuerdings kolportierten Begehrens sein, sich um ein gewähltes Amt in Kalifornien zu bewerben." Leicht abfällige Sätze über Arnold Schwarzenegger wie diese – (aus der Filmkritik über "Terminator 3") – sind in der "New York Times" derzeit häufig zu lesen.

Das elitäre Blatt berichtet über die Kandidatur des austro-amerikanischen Haudraufs gerne mit ironischer Skepsis – in die sich fallweise aber auch Bewunderung über Schwarzeneggers extraordinäre Karriere mischt. Anders als Präsident George W. Bush, so Starkolumnistin Maureen Dowd in einer Verteidigung der Schwarzenegger-Kandidatur, die freilich in einem nicht ganz ernsthaften Tonfall vorgetragen wird, habe Arnie seine Gabe als Geschäftsmann ja schon ausreichend unter Beweis gestellt.

Ein Mega-Medienphänomen

Ob nun als Gegenstand bewundernder oder kritischer Berichterstattung: Ein Mega-Medienphänomen ist der "Terminator" in diesen Tagen allemal. "Time" und "Newsweek" widmen ihm in dieser Woche ihre Titelstories und ergehen sich in ausladenden Betrachtungen über Arnies steirische Anfänge und seine einzigartige US-Karriere.

Häufig wiederkehrende Momente der Arnie-Berichterstattung sind dabei Hinweise auf seine sprachlichen Eigenheiten ("der fetteste mitteleuropäische Akzent seit Henry Kissinger", "Time") und allerlei Witze, die auf Filmtiteln oder Arnie-Onelinern basieren ("Conan the Candidate").

Dunkle Punkte

Auch auf ein paar dunkle Punkte aus Schwarzeneggers Vergangenheit wird hingewiesen (Steroidmissbrauch während seiner Bodybuilder-Jahre, Kurt Waldheim im Jahr 1986 als Gast bei seiner Hochzeit und angebliche außerordentliche Affären, von denen das Magazin "Premiere" zu berichten wusste, was von Arnie allerdings als Lüge abgetan wurde). Und natürlich wird auch der Frage, ob sich Arnies Karriere mit der von Ronald Reagan, der vor seinem Einstieg in die Politik ebenfalls als Schauspieler gearbeitet hatte, vergleichen lässt, breiter Raum gewidmet.

"Time" hat außerdem einen zweiten politischen Quereinsteiger gebeten, Schwarzenegger ein paar gute Tipps für den Wahlkampf mit auf den Weg zu geben. Jesse "The Body" Ventura, vormaliger Wrestler, Schauspieler und Gouverneur von Minnesota, ist dieser Bitte gerne nachgekommen: "Arnold, hüte dich vor den Medien! Ich weiß, Du glaubst, Du hast eine dicke Haut – aber eines kannst Du mir glauben: Die Presse ist brutal." (Christoph Winder/DER STANDARD, Printausgabe vom 13.8.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.