Der Anlagebetrug boomt im Internet

18. August 2003, 16:16
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Experten warnen vor Pyramidenspielen, Traum-Renditen und "Transfer-Geschäften" - Betroffene schweigen - Der Grund: Scham und Erpressbarkeit

Wien - Bei Anlagebetrügern laufen die Geschäfte so gut wie noch nie. Gleichzeitig sind diese Unternehmen zum sicheren Geldverlieren jetzt noch schwerer greifbar, weil sie ihre Machenschaften ins Internet verlegt haben.

Wurde der Geldverlust der Österreicher durch Anlagebetrug vor zwei Jahren noch auf drei Mrd. Euro jährlich geschätzt, so dürften es jetzt über fünf Mrd. sein. Allerdings, sagt Günther La Garde, Chef der Spezialistentruppe gegen Anlagebetrug in der Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ), kämen nur die wenigsten Fälle ans Tageslicht. Der Grund sind meist Scham oder Erpressbarkeit, weil nicht versteuertes Geld investiert wurde.

Pyramidenspiele

Im Umlauf seien derzeit eine Menge Pyramidenspiele nach dem Strickmuster der Affäre European King’s Club. Dieser hatte den Investoren 70 Prozent Rendite versprochen und ging Pleite. Star-Lotto etwa hebt einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von rund 39 Euro ein und stellt legendäre Gewinne in Aussicht. Der Schenk-Kreis wendet sich vorwiegend an Frauen und verspricht mit einer Einlage von 5000 Euro 40.000 Euro Gewinn zu verschaffen. Zusätzlich wird Bares versprochen, wenn neue Adressen eingeschickt werden.

Die Internationale Handelskammer (ICC), ebenfalls auf das Aufspüren von Anlagebetrug spezialisiert, warnt besonders vor Briefen und E- Mails, in denen die Adressaten gebeten werden, gegen eine hohe Provision zu helfen, Geld ins Ausland zu bringen. Die Summe wird als "von einer Ausschreibung übrig geblieben" oder als "Erbe eines Verstorbenen" ausgewiesen. Verlangt werden entweder Blanko-Geschäftspapier, die Kontonummer oder der Wortlaut des Kontos. Zuerst zahlen die Opfer noch Gebühren für Notare und Zertifikate. Dann wird aber nicht eingezahlt, sondern vom Betrüger abgeräumt. Besonders Unternehmer in schwieriger Firmenlage werden Opfer solchen Betrugs. Die Folgen können auch albtraumhafte Kreditaufnahmen der Betrüger mit den Geschäftspapieren der Opfer sein.

Immer wieder Warnungen

Trotz jahrelanger Warnungen fallen Private auch noch immer auf "Anlagevermittler" herein, die traumhafte Renditen bei Nullrisiko versprechen und den Kunden die Verfügungsgewalt über das Konto abluchsen oder die Kundschaft dazu bringen, ihr Geld auf ausländische Konten bei Firmen einzuzahlen, die zufällig so ähnlich heißen wie bekannte internationale Finanzkonzerne.

Als Betrogene macht die AKNÖ immer wieder Freiberufler, Landwirte, Ärzte und Akademiker verschiedenster Berufsgruppen aus. La Garde: "Menschen stecken in solche Dinge sehr viel Schwarzgeld hinein." Aus seinen Erfahrungen mit der Internet-Schiene der Anlagebetrüger fürchtet La Garde, dass Betrugsfälle und Schadenssummen weiter stark zunehmen werden. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 13.08.2003)

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