Generalangriff auf den Jackpot

13. August 2003, 21:28
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Das Spielfieber im italienischen Lotto geht weiter - Es geht heute um 66 Millionen Euro

Im italienischen Lotto stehen am heutigen Mittwoch 66 Millionen Euro auf dem Spiel, so viel wie noch nie in Europa. Seit fast einem halben Jahr hat kein Spieler zwischen Mailand und Palermo "sechs Richtige" gehabt.

Träume

"Schildern Sie uns Ihren Traum - und unsere Expertin verrät Ihnen, welche Zahlen Sie tippen müssen" - Die Webseite der italienischen Lottostellen gehört derzeit zu den meistbesuchten Italiens. "Wir erstellen ein maßgeschneidertes System für Sie", lautet eines der Angebote.

"Ich bin kein Zauberer", wehrt Carlo Fagioli ab. "Meine Systeme beruhen auf mathematischen Prognosen." Der Lottoguru will den Jackpot mit einem 750.000 Euro teuren System knacken, an dem sich 1500 Spieler beteiligen. Auch wenn der Sechser ausbleibt, ist bei solchen Systemen die Zahl der richtigen Dreier, Vierer und Fünfer meist so hoch, dass ein großer Teil der gesetzten Summe wieder hereinkommt.

Die Chancen auf Hauptgewinn im "Super-Enalotto" (6 aus 90)? Die Chancen, eine Münze 29-mal in Serie so zu werfen, dass sie auf "Kopf" zu liegen kommt, ist weitaus größer.

Die Rentnerin, die in einer der Annahmestellen in der Nähe des Petersdoms einen Lottoschein kaufen will, hat davon keine Ahnung. "Jetzt kommen viele Omas, die gar nicht wissen, wie man setzt. Sie lassen sich den Schein von uns ausfüllen", erzählt der Besitzer Sante Durante.

Gewinn steuerfrei

Die Betreibergesellschaft Sisal rechnet für Mittwoch mit einem Rekord von mehr als 20 Millionen Lottoscheinen. Die stärkste Zunahme ist in den Grenzregionen zu verzeichnen. In Südtirol betrug sie 88, im Friaul 52 Prozent. Mehr als 80 Prozent der Spieler waren in Urlauberorten Österreicher.

Dass es in Österreich Diskussionen über die Auszahlung der Gewinne gibt, ist für die Sisal-Pressesprecherin Tiziana Ricca "ein absolutes Rätsel". Denn die Auszahlung ist denkbar einfach: Der Gewinner legt seinen Lottoschein vor und bekommt das Geld überwiesen. "Wir sind zur Geheimhaltung verpflichtet", sagt sie.

Da das Lotto kräftig besteuert wird, ist der Gewinn steuerfrei. Nur zu verständlich - denn im "Super-Enalotto" bleiben die Gewinner fast immer unbekannt. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2003)

Von Gerhard Mumelter aus Rom
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    Die Betreibergesellschaft Sisal rechnet für Mittwoch mit einem Rekord von mehr als 20 Millionen Lottoscheinen.

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