Nasdaq Deutschland macht dicht

17. August 2003, 21:24
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Versuch dauerte nur wenige Monate - Finanzieller Schaden hält sich in Grenzen

Berlin - Der deutsche Ableger der US-Technologiebörse Nasdaq wird nur wenige Monate nach dem Start schon wieder geschlossen. Die Nasdaq Deutschland kündigte am Dienstag an, den Handel noch in diesem Monat einzustellen. Letzter Handelstag wird der 29. August sein, der letzte Freitag im August. Nach den enttäuschenden Ausflügen im Ausland will sich die US-Börse nun wieder auf den Heimatmarkt konzentrieren. Von den Handelsplätzen Brüssel und Tokio hatte sie sich kürzlich schon verabschiedet.

An der Nasdaq Deutschland waren auch die Dresdner Bank, die Commerzbank und die Börse Berlin-Bremen beteiligt. Sie waren aber nicht bereit, nach dem Ausstieg der Amerikaner deren 50-prozentigen Anteil zu übernehmen. Die Entscheidung fiel nun auf einer Sondersitzung des Aufsichtsrats, nach "sorgfältiger Prüfung der wirtschaftlichen Perspektiven". Der Versuch, der Deutschen Börse mit günstigen Kursen für Kleinanleger und ohne Courtage von den Anlageberatern Paroli bieten zu wollen, dauerte damit nicht einmal ein halbes Jahr.

Keine nennenswerten Umsätze

Trotz eines leichten Aufschwungs an den Aktienmärkten kam die Nasdaq Deutschland seit ihrem Start Ende am 21. März nie auf nennenswerte Umsätze: Im Juni wurde mit allen gehandelten Aktien gerade einmal ein Umsatz von 147 Mio. Euro gemacht. Das entspricht dem Handelsvolumen eines mittleren M-Dax-Wertes. Im Durchschnitt gab es pro Tag zwischen 1200 und 1900 Transaktionen.

Der neue Nasdaq-Chef Robert Greifeld hatte deshalb schon seit einigen Wochen kaum noch einen Zweifel daran gelassen, dass er das Deutschland-Experiment beenden will. "Die Amis wollten raus, weil nichts läuft", hieß es bei einer der beteiligten deutschen Banken. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Nasdaq Deutschland, Axel Schubert, sagte der dpa ebenfalls: "Was wir hatten, reichte auf Dauer nicht aus."

Finanzieller Schaden hält sich in Grenzen

Der finanzielle Schaden des gescheiterten Experiments hält sich in Grenzen: Das Grundkapital der Nasdaq Deutschland belief sich lediglich auf zwölf Mio. Euro. Die Hälfte der Anteile sowie die Namensrechte waren im Besitz der Nasdaq. Auf die Börse Berlin-Bremen sowie die Dresdner Bank entfielen jeweils 15 Prozent, auf die Commerzbank und deren Online-Tochter comdirect jeweils zehn Prozent. Die Anteile sollen nun an die BWB Holding übertragen werden, die Trägergesellschaft der Bremer Börse.

Arbeitsplätze fallen kaum weg: Die Nasdaq Deutschland kam mit knapp 20 Beschäftigten aus, von denen die meisten nun wieder an die Bremer Börse zurückkehren. Allerdings bedeutet das schnelle Aus einen erheblichen Imageverlust, vor allem für die kürzlich miteinander verschmolzenen Börsen Berlin und Bremen. "Der Imageschaden ist natürlich da. Wie groß er ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen", sagte Schubert.

Ziel war eigentlich, bis 2006 auf einen Marktanteil von 15 Prozent zu kommen und hinter der Deutschen Börse die Nummer zwei zu werden. Bei "günstiger Marktentwicklung" sollten schon 2004 Gewinne geschrieben werden. Diese Hoffnung hatten die Eigentümer aber schon kurz nach dem Start begraben müssen. Alle Versuche, einen Ersatz für den 50-Prozent-Anteil der Amerikaner zu finden, scheiterten in den vergangenen Wochen. Als potenzieller Investor galt vorübergehend die internationale Börse Euronext. Schließlich handelten sich die Nasdaq-Verantwortlichen dort aber eine Absage ein.(APA/dpa)

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