Deutscher Kulturrat fürchtet staatliche Einflussnahme bei RAF-Ausstellung

14. August 2003, 18:53
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Debatte um Inbezugnahme der Angehörigen von Opfern gebe Anlass zur Sorge

Berlin - Der Deutsche Kulturrat befürchtet bei der geplanten RAF-Ausstellung in Berlin eine zu starke staatliche Einflussnahme. Die gegenwärtige Debatte gebe Anlass zur Sorge, teilte der Deutsche Kulturrat am Dienstag mit. Der Verband forderte mit Blick auf die harsche Kritik am Konzept der umstrittenen Ausstellung, die Förder-Entscheidung des Hauptstadtkulturfonds zu akzeptieren. Nach der Eröffnung der RAF-Ausstellung sei es jedem unbenommen, die Schau scharf zu kritisieren.

Der Hauptstadtkulturfonds hatte 100.000 Euro für die RAF-Ausstellung bewilligt. Nach Protesten von Angehörigen der Opfer und Politikern hat Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) die Zahlung nun von einer Überarbeitung des Ausstellungs-Konzepts und der Zusammenarbeit mit den Angehörigen der RAF-Opfer abhängig gemacht. Sie verlangt zudem, dass die für Ende 2004 geplante Ausstellung von der Bundeszentrale für Politische Bildung mitveranstaltet wird.

Memo an den Fall Achternbusch

Der Deutsche Kulturrat, Spitzenverband der Bundeskulturverbände, erinnerte zudem an Diskussionen der 80er Jahre. Damals habe Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU) die Auszahlung der letzten Rate für Herbert Achternbuschs Film "Das Gespenst" verweigert. Der Minister habe den Film für religionsfeindlich gehalten, sagte Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, am Dienstag. Der Streit sei schließlich vor Gericht ausgetragen worden, 1992 habe der Regisseur den Prozess gewonnen. "Man muss jetzt bei der Debatte um die geplante RAF-Ausstellung aufpassen, dass der Geist der 80er Jahre nicht in die Kulturpolitik zurückkehrt."

Die ursprünglich noch für dieses Jahr geplante Ausstellung des Hauses "Kunst-Werke" war bundesweit in die Kritik geraten, weil sie nach ersten Konzepten unter dem Titel "Mythos RAF" auch angeblich weiter gültigen Idealen der Terroristen nachspüren wollte. Zudem waren die Angehörigen der Opfer von Attentaten bei den Planungen nicht gehört worden. Der künstlerische Leiter der Schau, Klaus Biesenbach, hat diese inzwischen um ein Treffen gebeten. Die Angehörigen seien zu spät einbezogen wurden, räumte er ein. Die Ausstellung war kürzlich auf November 2004 verschoben worden. (APA/dpa)

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