Weitere Attacken von Hilfsorganisationen gegen Strasser

12. August 2003, 20:26
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Innenminister bekräftigt seinen umstrittenen Aussagen über Tschetschenen fest

Wien - Nach der Massenschlägerei im Flüchtlingslager Traiskirchen mit einem Todesopfer haben am Dienstag verschiedene Hilfsorganisationen weitere Attacken gegen Innenminister Ernst Strasser (V) geritten. Insbesondere seine Aussagen gegen tschetschenische Asylwerber stießen auf heftige Kritik. Der Ressortchef verteidigte hingegen seine Vorgangsweise.

Aufregung über Strasser-Sager

Der Direktor der evangelischen Diakonie, Michael Chalupka, kritisierte Strassers Aussage, wonach Flüchtlinge aus Tschetschenien "eine neue Qualität von Aggressionen" in die Flüchtlingslager gebracht hätten. Der Minister habe damit "ganze Flüchtlingsgruppen kriminalisiert", sagte Chalupka laut Kathpress. Strasser bekräftigte hingegen im Ö1-"Mittagsjournal", dass "tschetschenische Asylsuchende eine neue Qualität von Aggression nach Europa gebracht" hätten.

Aber auch eine zweite Aussage, die Strasser am Dienstag noch einmal wiederholte, sorgt für Aufregung. Auch für Asylwerber gelte, dass in Österreich persönliche Konflikte nicht mit der Eisenstange ausgetragen werden, meinte der Minister. Der Präsident der Volkshilfe, Josef Weidenholzer hielt dem entgegen: "Die pauschale Diffamierung von tschetschenischen Asylsuchenden als gewaltbereite Kriminelle durch Innenminister Strasser ist ein Skandal an sich." Weidenholzer verwies darauf, dass die Gewaltbereitschaft auch bei Österreichern zugenommen habe. "Aus dieser traurigen Geschichte dann auch noch mit ausländerInnenfeindlichen Tönen politisches Kapital schlagen zu wollen, halte ich für besonders verwerflich", hielt Weidenholzer dem Minister vor.

SOS-Mitmensch: "Versuch, den Flüchtlingen die Schuld in die Schuhe zu schieben

Auch die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch wies den von Strasser erhobenen Vorwurf der besonderen Aggressivität tschetschenischer Flüchtlinge zurück. Das sei der Versuch, Flüchtlingen die Schuld an den unzureichenden Strukturen zuzuschieben. SOS Mitmensch sieht darin eine "klassische Sündenbockpolitik", die dazu diene, die eigene politische Verantwortung zu verschleiern. Der Menschenrechtsorganisation wäre es auch lieber gewesen, direkt von Strasser geklagt zu werden als von der für die Betreuung zuständigen Privatfirma European Homecare.

Strasser weist Kritik an European Homecare erneut zurück

Der Innenminister wies am Dienstag neuerlich die Kritik an European Homecare zurück. Es sei auch weiterhin nicht beabsichtigt, hinter jeden der rund 7.000 Asylwerber einen diplomierten Psychologen zu stellen, sagte Strasser zu dem Vorwurf, dass es zwar Sozialarbeiter, aber keine Psychologen im Flüchtlingslager gebe. Der Minister betonte, dass Österreich in der Asylpolitik einen Mittelweg gehe. Die sozialdemokratischen Länder Deutschland und Großbritannien würden eine wesentlich schärfer Asylpolitik betreiben.(APA)

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