Popkomm mit Zweckoptimismus

22. August 2003, 23:00
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Bei der größte Musikmesse der Welt in Köln sprach Depeche Mode-Musiker Andrew Fletcher Tröstliches

Köln - Bei der weltgrößten Musikmesse Popkomm in Köln hat am letzten Veranstaltungstag die Musik selbst im Mittelpunkt gestanden. Ging es am Donnerstag zentral um das Verhältnis von Pop und Politik und am Freitag um neue, legale Wege des Musik-Downloads, so wurde die Messe am Samstag von Andrew Fletcher, Mitglied der Synthie-Pop-Band Depeche Mode, eröffnet. Dieser berichtete über die rund 25 Jahre seiner Karriere, sein Platten-Label und zeigte Zukunftsperspektiven für die krisengeschüttelte Branche aus Sicht eines Künstlers auf.

Nach den jüngsten Trennungsgerüchten verkündete Fletcher außerdem, dass Depeche Mode konkrete Pläne für ein neues Album hätten. Mit den Aufnahmen dazu solle Anfang des kommenden Jahres begonnen werden. Zuletzt hatten die Depeche-Mode-Mitglieder Dave Gahan und Martin Gore mit Soloprojekten auf sich aufmerksam gemacht. Fletcher hatte das Label Toast Hawaii gegründet und die Elektro-Pop-Duo Client unter Vertrag genommen, die am Freitagabend in einem Kölner Club auftrat.

Fletcher plauderte über die Anfänge von Depeche Mode und machte für den Erfolg der Band vor allem das gute Verhältnis mit dem relativ kleinen Label Mute verantwortlich, dem die Band trotz lukrativer Offerten seit Beginn ihrer Karriere treu geblieben ist. Die Firma um Chef Daniel Miller habe nie kommerziellen Druck ausgeübt, obwohl Miller immer in die Dinge involviert gewesen sei. Genau dieses Rezept versuche er jetzt mit seinem Label umzusetzen, sagte Fletcher. Er sei in alles involviert, ermutige aber auch die Band Client, sich für alles selbst zu interessieren.

Das Internet bezeichnete Fletcher als große Chance für neue Bands. Die Künstler hätten selbst mehr Kontrolle und Einflussmöglichkeiten, wenn es um ihre Außendarstellung und die Verbreitung ihrer Musik gehe. Damit setzte Fletcher ein Gegengewicht zu den Aussagen von Vertretern der Tonträgerindustrie während der Popkomm, die dem Internet die Schuld für die Umsatzeinbrüche der vergangenen Jahre gaben.

Zum Auftakt der Popkomm hatte die Musikwirtschaft für das erste Halbjahr 2003 beim Verkauf von Tonträgern einen Rückgang von 16,3 Prozent gemeldet. Der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhardt, befürchtet für das laufenden Jahr den geringsten Umsatz seit 13 Jahren. Mit einer Erholung sei erst in etwa ein bis zwei Jahren zu rechnen.

Inzwischen haben mehrere Musikunternehmen für Herbst in Deutschland eine gemeinsame umfassende Plattform für Musik-Downloads angekündigt. Aus Branchenkreisen hieß es, der Preis für einen Song werde bei etwa 99 Cent liegen. Die Popkomm findet in diesem Jahr zum 15. und letzten Mal in Köln statt. Ab dem kommenden Jahr wird sie in Berlin veranstaltet. (APA/AP)

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    Andy Fletcher

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