Kein Ende der humanitären Krise in Sicht

13. August 2003, 15:57
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UNHCR nimmt Arbeit wieder auf - Bis zu 300.000 Bedürftige müssen versorgt werden - "Ärzte ohne Grenzen" kämpft gegen sich ausbreitende Krankheiten

Berlin - Das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) will noch in dieser Woche seine Arbeit in Liberia wieder aufnehmen. 13 hochrangige UN-Mitarbeiter, unter ihnen der UNHCR-Vertreter in Liberia, Moses Okello, werden bereits am Dienstag in das Land zurückkehren, hieß es in einer Aussendung von UNHCR Deutschland. Das UNHCR plant, nach der Wiederaufnahme seiner Arbeit in Liberia bis zu 300.000 bedürftige Menschen im Land zu unterstützen.

Dabei handelt es sich um Flüchtlinge aus Sierra Leone und Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) sowie um Liberianer, die im eigenen Land vertrieben wurden oder in ihre Heimatorte zurückkehren wollen. Zur Durchführung der Hilfsmaßnahmen entsendet das UNHCR weitere zwölf Nothilfe-ExpertInnen in die Region.

Verteilung der Hilfsgüter abhängig von Sicherheitslage

Ein Schiff, voll geladen mit Decken, Matten, Plastikplanen und Seife für rund 7.000 Menschen, soll am Freitagmorgen in Monrovia ankommen. UNHCR hofft bis dahin auf eine Verbesserung der Sicherheitslage, die es erlaubt, die Hilfsgüter ausladen und verteilen zu können. Das Schiff soll in Zukunft regelmäßig zwischen Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, und Monrovia für den Transport von Hilfsgütern eingesetzt werden. Zudem bringt es von Monrovia aus Flüchtlinge aus Sierra Leone zurück in ihre Heimat.

In den kommenden Tagen sollen zwei Flugzeuge von Kopenhagen aus mit Telekommunikationsausrüstungen, Fahrzeugen und Haushaltsgütern für 10.000 bis 15.000 Menschen in der Region eintreffen. Hilfsgüter, die ursprünglich für irakische Flüchtlinge vorgesehen waren, werden ebenfalls zu den UNHCR-Hilfsgüterdepots in Freetown und Accra transportiert. Dazu gehören 50.000 Decken, 14.000 Kanister, Kochutensilien und Lampen sowie Seife und Plastikplanen.

Humanitäre Situation kritisch

Die humanitäre Situation für die kriegsversehrte Bevölkerung in Liberia ist nach wie vor kritisch. Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" kämpft nach eigenen Angaben vor allem gegen sich rasch ausbreitende Krankheiten wie Malaria, Cholera, Atemwegs- und Durchfallerkrankungen und Masern.

In allen öffentlichen Gebäuden der Innerstadt hätten die Menschen Schutz gesucht vor den Kämpfen. Jede Kirche, jede Schule beherberge hunderte von Familien. Entsprechend prekär sei die sanitäre und hygienische Situation, sagte Chris Torgesen von "Ärzte ohne Grenzen".

Die akute Lebensmittelknappheit verschärfe die humanitäre Krise noch zusätzlich. Der Preis für Reis - eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel - habe sich in vergangenen Tagen verfünffacht. Die Folgen des Nahrungsmangels zeige sich nun hauptsächlich bei den Kindern.(APA/red)

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