Journalist Gilligan verteidigt Irak-Berichterstattung

22. August 2003, 16:26
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Journalist sagt vor Untersuchungsausschuss in Kelly-Affäre aus

Der BBC-Journalist Andrew Gilligan hat am Dienstag vor dem Untersuchungsausschuss zur Kelly-Affäre seine Berichterstattung über den Umgang der britischen Regierung mit Geheimdienstmaterial verteidigt. Bei seiner Vernehmung durch Lordrichter Brian Hutton in London zitierte Gilligan aus Notizen, die er sich während eines Gespräches mit dem Biowaffenexperten David Kelly am 22. Mai gemacht hatte.

Kelly habe ihm gesagt, dass die Behauptung der britischen Regierung, wonach der Irak innerhalb von einer Dreiviertelstunde Massenvernichtungswaffen einsetzen könne, nur auf "einer einzigen Quelle" basiere und deshalb nicht zuverlässig sei.

Kelly habe ihm am 22. Mai weiter gesagt, dass die Regierungsakte zum Irak mit der umstrittenen Zeitangabe "eine Woche vor ihrer Veröffentlichung abgeändert" worden sei. Kelly zufolge seien fast alle Angaben in dem umstrittenen Regierungsdossier auf zwei Quellen zurückzuführen gewesen, nur die Behauptung über die Einsatzbereitschaft binnen 45 Minuten sei lediglich durch eine einzige Quelle gedeckt gewesen. Gilligan betonte, nicht er, sondern Kelly habe "das Thema 45 Minuten" sowie den Namen von Kommunikationschef Alastair Campbell in das gemeinsame Gespräch eingebracht.

Als Gilligan später zwei weitere Informanten gefragt habe, ob die umstrittene Behauptung auf Initiative von Campbell eingefügt worden sei, hätten diese dies weder bestätigen noch dementieren können, fügte der Journalist hinzu. Sie hätten ihm aber geraten, die Sache weiter zu verfolgen.

Insgesamt habe er sich seit 2001 drei Mal mit Kelly getroffen, sagte Gilligan weiter. Der 34-Jährige ist eine Schlüsselfigur in der Affäre um Kellys Tod. Er hatte sich bei seinem Bericht über angeblich aufgebauschte Geheimdienstinformationen zur Rechtfertigung des Irak-Krieges Ende Mai in erster Linie auf Kelly als Informanten gestützt. Der Wissenschaftler wurde vor drei Wochen mit aufgeschnittener Pulsader tot aufgefunden. Der britischen Regierung wird vorgeworfen, Kelly in den Selbstmord getrieben zu haben, weil er ihr Vorgehen im Irak-Krieg kritisiert hatte. (APA/AFP)

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