Von der Telefonzelle zur Multimedia-Kabine

17. Oktober 2005, 14:27
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Seit 100 Jahren gibt es öffentliche Telefonzellen in Österreich. In Zukunft kann man dort auch surfen, SMS verschicken oder Video telefonieren

100 Jahre alt und noch keineswegs marode: Die Telefonzelle feiert ihr erstes Jahrhundert in Österreich. Exakt am 17. August 1903 fiel die erste Zwanzig-Heller-Münze in einen Apparat am Wiener Südbahnhof. Seit damals hat sich die Telekommunikationsgesellschaft grundlegend verändert, doch die "öffentlichen Sprechstellen" haben überlebt. Der neueste Trend: Die Telekom Austria plant noch für heuer, 500 Multimedia-Kabinen mit Breitband-Internet und allen technischen Raffinessen im ganzen Land zu montieren.

Im Jahr 1907 waren österreichweit exakt 44 Münztelefone aufgestellt. Mit Ende des Jahres 2002 gab es rund 24.000 derartige Einrichtungen im ganzen Land.

Die erste der insgesamt acht aufgestellten Grundmodelle einer Zelle in der Alpenrepublik war noch aus Holz. Und funktionierte so: Die eingeworfene Münze plumpste auf die Stimmgabel und löste einen Ton aus. Das "Fräulein vom Amt" - offiziell hieß sie Manipulantin - stellte die gewünschte Verbindung her, indem sie einen Stöpsel in den Schaltkasten steckte.

Dann wurde der Ort der beliebten Tratscherei in Eisen, später in anderes Metall verpackt. Zwischendurch wurden wind- und regengeschützte Sprechhäuschen durch offene "nackte" Telefonsäulen ersetzt. Das Telefonieren im öffentlichen Raum wurde stets den technischen Errungenschaften angepasst: Die Stimmgabel wurde - da sie leicht zu manipulieren war - durch eine Münzwaage ersetzt. Ein spezielles Trittbrett beim Einstieg in die Zelle ließ dann später automatisch das Licht angehen.

Noch heuer wird es eine neue Attraktion am heimischen Telefonmarkt geben: Schon bald können Passanten in technisch modernen Multimedia-Stellen nicht mehr "bloß" miteinander sprechen, sondern im Internet surfen, SMS und Fotos verschicken oder direkt mit anderen Menschen videotelefonieren. Laut Telekom ist bis zum Jahr 2006 die Errichtung von weiteren 600 solcher digitalen Apparate geplant.

Für das Modell mit der Stimmgabel erhielt übrigens der 1852 in Schlesien geborene Robert Bruno Jentzsch das Patent. Der fleißige Geschäftsmann wanderte jedoch nach Amerika aus, nachdem seine Erfindung zunächst auf große Ablehnung unter den Behörden stieß, da sie angeblich nicht ins Stadtbild passte.(APA)

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    der standard/matthias cremer
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